World I Hate – Total Nuclear Annihilation

von am 1. April 2026 in Album

World I Hate – Total Nuclear Annihilation

World I Hate fackeln nicht lange und eskalieren mit ihrem Zweitwerk Total Nuclear Annihilation von Null auf Hundert gehend in jene Schneise, die Years of Lead vor fast drei Jahren zwischen Nails und frühen Trash Talk geschlagen hat.

Kleine Feinjustierungen (wie etwa, dass sich der Amalgam-Sound aus Hardcore Punk und Powerviolence der Band ein klein wenig deutlicher zum letzteren Pol verschoben hat; oder, dass die Vocals nun etwas weniger prägnant freistehend und klar im angepissten Strom hetzen) ändern wenig daran, dass Hal Crossno, Jimmy Ladue, Cody Ratley, Benjamin Wittlinger und Thomas Van Gent aus Milwaukee praktisch unmittelbar dort weitermachen, wo sie bereits 2023 einen Achtungserfolg ausgekotzt haben – nur eben mittlerweile nochmal um das kleine Quäntchen intensiver, harscher und gemeiner mit dem Dampf unter der Haube umgehend.

Die immens hohe, so rohe und aggressive Energie der Platte lässt mit einem zusätzlichen Schub an Schaum vorm Mund in ihrem geradezu tollwütigen Rausch über knapp 18 Minuten deswegen zwar aus analytischer Sicht kaum Zeit, angemessen über Feinheiten wie die superbe Schlagzeugarbeit, überraschend smarte Texte, oder eine eigentlich relativ gefinkelt angelegte Gitarren-Attacken zu staunen – doch verschärft die Manie den animalischen Trieb in der Schlagkraft noch einmal merklich.
Total Nuclear Annihilation steht meist wie irre auf dem misanthropisch blastenden Gaspedal, bremst seine unberechenbare Dynamik aber immer wieder sludgig malträtierend aus, flirtet mit dem Noise unschönste seiner Misanthropie so letztlich trotz aller Kompaktheit eine niemals abstumpfende Bandbreite.

Six Degrees stampft etwa breitbeiniger und gibt sich vergleichsweise catchy randalierend, während man in Just Business sogar die kakophonische Leiche eines twistenden Surf-Punks zu erkennen glaubt. Wounded Animal soliert zu Todd Jones und (das 25 sekündige) Closing In oder das Titelstück flirten selbstkasteiend mit dem Grindcore, derweil das heulende Incentivized bis in das brutzelnde Feedback rockt.
Die atemlos aufgepeitschte Attitüde dirigiert das Geschehen dabei (weiterhin) ohne wirklichen Originalitätsanspruch. Doch wie zwingend die Band auf rein funktionaler Ebene ein Szene-Feuerwerk abbrennt und auch produktionstechnisch nahezu alles richtig macht, hat dann schon einen absoluten Ansatz, der alle Erwartungshaltungen stemmt (und hinsichtlich der Bewertung zwischen den Punkten verschwitzt aufrunden lässt).

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