A.A. Williams – Solstice
A.A. Williams kann die schwerwiegendsten Probleme von As the Moon Rests für Solstice nicht beheben, hat für ihr Drittwerk aber wieder deutlich bessere Songs geschrieben.
Das praktisch jede Nummer der Britin weiterhin nach dem selben Muster funktioniert – melancholisch am Klavier schwelgende Innenansichten finden ihren Ausbruch in der Kraft des majestätischen Post-Metal und -Rock – fällt deswegen nur in wenigen Passagen der ein klein wenig zu ausführlichen Platte negativ auf – immer jedoch, wenn es den ganzheitlichen Fluß des Gesamtwerks unterspült.
Sei es durch die flächendeckend zu überraschungsarme Vorhersehbarkeit der Entwicklungen im Allgemeinen – weil dies eine gewisse Redundanz mit sich bringt (spätestens der melodramatisch mäandernder Closer The Gentle Harm wiederholt die Theatralik zum Abschied dann ohne wirklichen Mehrwert) -, oder im Speziellen. Beispielsweise, wenn Poison (das ein gewöhnungsbedürftig sleazy daherkommendes Riff, das eher vom Nu Metal spezialisiert zu sein scheint) die getragene Grandezza des Autopilot voll flehender Sehnsucht zu abrupt beendet. Oder wenn die nichts von ihrer Klasse verloren habende erste Single Wolves sich für ein die übergeordnete Dynamik ausbremsendes, fahles Fade Out entscheidet. Mag die davor auch eine Größe erschafft, die dem Vorgängeralbum vor vier Jahren in dieser Gewichtung abging.
Womit wir auch beim relativierenden Punkt wären: Die Substanz hat wieder ein höheres Grundniveau. Und sicher hat Solstice nun auch den den Vorteil, neben den kompositorischen Limitierungen der Britin nicht so gravierend an der Erwartungshaltung scheitern zu müssen, wie As the Moon Rests dies nach der 2020er-Schönheit Forever Blue wohl zwangsläufig tun musste.
Doch Williams hat die diesmal etwas längere Pause zwischen den Werken merklich gut getan. Little By Little tänzelt suchend als in die Breite gehende Annäherung an die Ästhetik des Synth Wave und Dark Ethereal, erinnert im Refrain wohl mehr als es will an eine dunkel schimmernde Goth-Version des gleichnamigen Radiohead-Songs, und wird zur Mitte mit filmischer Breite und epochalem Bombast die Soundkathetrale über dem Vorgänger. Auch die tendenziell sinfonische Klavierballade Hold it Together sucht die sphärische Macht, derweil Outlines zurückhaltender mit andächtige Schwere schleicht und sich einen schöner Ausklang an den Tasten gönnt. Business as usual, das sofort überzeugt.
Am besten sind jedoch die Momente, die zumindest vage versuchen, die festgefahrenen Strukturen aufzubrechen.
Das verträumt bleibende, wehmütige I’ve Seen Enough ist etwa eine reine Wohltat, wie auch das ausnahmsweise komplett reduziert am Klavier bleibende The Veil. Die tragische Ruhe von Breathe lässt folkloristische Schimmer zu und klingt wie eine wärmende Decke in Silent Hill, wohingegen die andächtige Schwere im The Crow-Zitat It Won’t Rain Forever gerne mehr Impulse als die sakral orgelnde Grundierung vertragen hätte.
Und gerade die tolle Alternative Rock-Zeitlupen-Single Just a Shadow interpretiert das Wechselspiel zwischen laut und leise, hart und zart so rund, weil sich nicht alles auf eine Klimax hin ausrichtet. Bleibt zu hoffen, dass Album Nummer 4 diese Ansätze nutzt, um die Verhaltensmuster endgültig aufzubrechen.


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