Black Map – …And We Explode

von am 30. November 2014 in Album

Black Map – …And We Explode

Die Formel ‚Gitarre, Bass, Schalgzeug und Gesang‘ berührt mich persönlich momentan nicht“ resümierte  Mark Engles rund um die Veröffentlichung von ‚Chuckles ans Mr. Squeezy‚ vor mittlerweile drei Jahren. Mittlerweile hat der Dredg-Gitarrist ganz offenbar genau darauf allerdings wieder Lust bekommen – wenn auch nicht mit Dredg. Gemeinsam mit Trophy Fire-Bassist/Sänger Ben Flanagan und Far-Drummer Chris Robyn taucht er stattdessen im Allstar-Gespann tief in den Alternative-Rock der 90er ein.

Und erforscht damit auch die Wurzeln der Stammbands des Trios. Vor allem die metallische Dynamik von Far ist durch Robyn’s hart-drückendes, kraftvolles Spiel mit seinem stampfenden Groove permanent prägend und setzt den Hebel nicht nur bei  ‚Stranger‚ dort an, wo sich leicht erkennen lässt, was die Deftones alles von den Emocore-Szenehelden gelernt haben. Auch der wütende Ausbruck in ‚Chinaski‚ wird Chino Moreno ein Lächeln ins Gesicht treiben, während sich die Abwesenheit von Thrice anhand derart kompakt gestrickter drei Minuten durchwegs leichter wegstecken lässt.
Darüber treibt Flanagan (dem vielleicht die stimmliche Charakteristik von Gavin Hayes fehlt, der aber dafür die große Geste dem amerikanischen Formatradio kompakter serviert und gerade wenn er aggressiv nach vorne presst seine Qualitäten ausspielt) die Songs immer wieder hin zum episch ausgebreiteten Stadion-Moment: alleine mit welcher Nachdrücklichkeit ‚I’m Just the Driver‚ seinen Arena-Appeal auspackt, führt schwindelerregend und im besten Sinne vor, wieviel Bush auf ihrer aktuellen Platte mal wieder falsch gemacht haben.

Die Bridge des markantesten Ohrwurms der Platte ist dafür so klassisch Dredg (ungefähr zu ‚Catch Without Arms‚-Zeiten, nur in deutlich direkter) wie nur möglich, und letztendlich ist es vor allem Engel’s Spiel, das ‚…And We Explode‚ in seiner Vielseitigkeit über den Standard artverwandter Bands hebt: gefinkelt trickselt er in ‚And We Explode pt. 1‚ als fingerfertiger Techniker im Hintergrund, schleudert von ‚Code‚ weg mächtige Riffs in Richtung der Audioslave-Nachlassverwalter, umhüllt ‚Melee‚ mit freifliegenden Soundscapes oder bläst ‚Head for the Hills‚ inmitten knackiger Gitarrenabfahrten mit elegischem Postrock-Delay wunderschön auf.
Wenn das zurückgenommene ‚Eyes on the Prize‚ dann atmosphärisch brütet, das großartig breitbeinig die Metalkeule schwingende ‚Gemini‚ auf der Überholspur pusht oder ‚Stranger‚ den Spagat zwischen vertrackter Rhythmik-Keule und strahlendem Chorus meistert, ist allerdings auch klar, dass die makellose Bandchemie hier über allem steht. Black Map mögen es verdammt straight, schmuggeln aber genug Schnörkel in den Hintergrund ihre Songs, um bei der Stange zu halten und dem Ganzen Gewicht und Klasse zu geben. Dass sich mit ‚Ropes‚ dazu eines der massivsten Bretter, das den Foo Fighters auf ‚Sonic Highways‚ partout nicht gelingen konnte,  esrt in der Schlussphase der Platte versteckt, spricht dann nicht nur für die Homogenität der Platte (alle Songs der ‚Driver‚-EP vom Frühjahr verwachsen nahtlos mit dem treibenden Albumfluss, ergänzen die sorgsam konzipierten Kontrollverlust-Betrachtungen ohne Schweißnähte), sondern auch für deren Qualität und Vielfältigkeit: auch wenn sich Black Map im abschließenden ‚And We Explode pt. 2‚ als erhabene Atmosphäre-Architekten beweisen sitzt der Anzug dem Powertrio wie angegossen. Trotzdem steht hier die Erkenntnis im Vordergrund: Mark Engles hat wieder  so richtig Lust auf Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang und fetten Alternative Rock.

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