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Dälek – Respect to the Authors

Das Gusto-Label Exile on Mainstream schenkt sich zum zwanzigjährigen Geburtstag eine Zusammenarbeit mit Dälek – und beschert allen Anhängern der experimentellen Hip Hop-Vordenker eine sehr gute Fundgrube an verloren geglaubten Schätzen.

Schon alleine der Titel dieser ausnahmslos auf Vinyl veröffentlichten, ohne digitale Äquivalente daherkommenden EP sollte Komplettisten und Archivare aufhorchen lassen. Das eröffnende Respect to the Authors fand 2017 zwar Platz im Booklet von Endangered Philosophies, nicht aber auf der Platte selbst.
Die verschollen geglaubte Nummer entpuppt sich nun keineswegs als Ausschussware, ist aber nur gehobener Standard – als beinahe straight ausgerichteter und geschmeidig groovender Pessimist, obgleich Dälek und Mike Mare natürlich mehr als alles andere den namensgebenden Signature Sound bedienen: Schlurfender Beats schleppen sich zu abgedämpften Schleifen aus Industrial- Noise- und Drone-Elementen, lehnen sich in den Ambient zurück und tauchen dann wieder dicht und schwer, düster und tektonisch an. Der morastartige Mix lässt aus dem Klanggebilden und den darin treibenden Vocals ein Gebräu werden, im Grunde wie eine unergründliche Drone-Melange.

Diesem Weg folgt auch die restliche EP, hebt das Niveau aber immer weiter. Inhaltlich gewohnt beklemmend, ästhetisch zugänglicher als Endangered Philosophies, jedoch nicht so offen wie das Comebackwerk Asphalt for Eden. Der Verlauf hält übrigens nicht nur individueller-markant Szenen parat, sondern auch ein weiteres Fundstück: Das starke Molten war 2016 eine alleinstehende Single, überzeugt hier im Kontext der EP als aggressiv-unterkühlte Annäherung an klassische Hip Hop-Mechaniken mit Scratches und maschinell den Shoegaze übersteigernd auswringender Formlosigkeit in seiner dystopischen Abgründigkeit aber sogar noch besser: Ein nach vorne gehendes Glanzstück.

With These Mics stackst dagegen beinahe entspannt zu einem oszillierend-pendelnden Sample einer entrückten Gitarre, schimmert stellar und maschinell, forciert die Schere im Auftreten mit beinahe hoffnungsvoll funkelnden Sounds, meditativ wie in Trance, und den schmerzhaften Texten. Defiant lehnt sich erst weitestgehend instrumental als kontemplative Kaleidoskop zurück, doch greift Dälek in das Geschehen ein, lösen sich alle Konturen in der makellosen Symbiose aus Stimme und Elektronik auf. Ist man erst einmal in den fiebrig dösenden Sog von Respect to the Authors geraten, fällt auf, dass das patentierte Dälek-Amalgam vielleicht mittlerweile weniger aufregend verstört, der verinnerlichte MO aber immer noch auf unvergleichliche Weise fasziniert: Die EP entwickelt sich wie ein schwarzes Loch, zieht an, ohne zum Zentrum der Gravitation vorstoßen zu lassen.

Words Connect baut sich aus der Aura von Twin Peaks einen so fokussierten wie ungezwungenen Rap im Nebel und Seek Harbour folgt dem Spoken Word Fluss in einen abstrakten, alptraumhaft umschliesenden Soundraum, eine unterbewusst einwirkende Kollage. Respect to the Authors gleicht damit einer langsam verschwindenden Hypnose, ungemütlich und bedrohlich, ein charismatisches Wogen ins Kaninchenloch.
Wer hier nicht längst dem eindringlichen, subversiven Intensität der Band verfallen ist, wird es auch nicht mehr. Nach einem etwas holprigen Start wird Respect to the Authors für Fans jedoch mit jeder die Homogenität erhöhenden Minute zu einem essentiellen Kleinod der Diskografie. Schade insofern, dass die spärliche Aufmachung der Vinylplatte (ohne Texte, Credits oder sonstigen Ergänzungen zur simplen schwarzen Platte im Inlay) weder dieser Klasse, noch dem feierlichen Anlassfall der Veröffentlichung gerecht wird.

Vinyl LP via Exile on Mainstream |

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