Deafheaven – At Work in the Fields of the Bomb
Neben einer unlängst erschienenen Neuauflage der Split mit Bosse-De-Nage markiert die EP At Work In The Fields Of The Bomb den (lange angeteaserten und nun doch überraschend aus dem Nichts kommenden) Start von Deafheaven in die Zeit nach ihrem 2025er-Triumph Lonely People with Power.
„The EP explores the unsettling contrast between the unimaginable consequences of the bomb and the mundane actions that make such destruction possible, focusing on the choices and systems that lead up toward irreversible moments. It considers how catastrophe can emerge from seemingly ordinary details—and how, once extinction becomes possible, there is ultimately no one left to witness it.“
Robert Del Tredici’s gleichnamiges Buch als konzeptuelle Ausgangslage nehmend, stellt At Work In The Fields Of The Bomb den Fokus (bis zu einem gewissen Grad im Gegensatz zum alle bisherigen Karrierephasen der Amerikaner assimilierenden sechsten Studioalbum im Vorjahr) erstaunlich eng: Deafheaven kanalisieren über 24 Minuten ihre innere Emperor-Liebe, verzichten auf klaren Gesang (wobei George Clarke phasenweise sogar tiefer keifend als je zuvor unterwegs ist) und verträumte Gaze-Passagen – Ja, At Work In The Fields Of The Bomb ist praktisch eine Exkursion mit Produzent Arthur Rizk in den reinen, trven Black Metal.
Die Vorab-Versprechen von Gitarrist Kerry McCoy, dass das kommende Material „the heaviest and the hardest” sei, das seine Band bis dato aufgenommen habe, erweisen sich insofern nicht als falsch.
Hunter gibt sich giftig und infernal, bestialisch und brutal, röchelt seine spitzen Schreie, malt dazu aber auch epische Bögen über die Blastbeats, und holt chorale Texturen für eine filmische Heroik an Bord.
„It’s probably the most intense that I’ve sounded“ sagt Clarke. „The song itself is about your undoing. When I write lyrics, it’s a lot of talking into a mirror, and so it addresses a ‘you,’ but a ‘you’ actually tends to be me as well. Have I acted in a way that’s destroyed something? Now that that is destroyed, I can reflect on the things that brought it to that point.”
Zur Mitte zieht das Riffing die Zügel enger und steigt thrashig auf die Slayer-Bremse. Der kurze Moment der Ruhe ist eine falsche Fährte: Die Bausteine verbinden und steigern sich zu einem hymnischen Finale.
Erst Three Princes (über das Bombardement der Shajareh Tayyebeh Elementary School in Minab, Iran) holt als Herzstück und Bindeglied der EP Luft, indem es als ambientes Soundcollagen-Interlude Interferenzen von Gesprächen auffängt und als sakraler Schemenhaftigkeit verglüht: “I thought one of the most nightmarish things you could do would be to soundtrack the brain to the AI that did this monstrous thing,” he says. “It’s this static-y, nasty thing that ends with a funeral bell.”
Das ist die Ausgangslage fürSorry Laid The Hearth, das nach einer wirbelndend antauchenden Aufwärmphase aggressiv und rasant nach vorne knüppelt, über die Asche einer postapokalyptischen Welt. Der abermals choral texturierte, sinfonisch aus dem Synth angedeutete Hintergrund erzeugt fast schon eine Goth Stimmung, zu der Deafheaven einen manischen Sturm mit unverkennbarer Handschrift lostreten. Eine eklektische Gewichtsverlagerung, die gemessen an der eigenen Evolution mit so viel Prägnanz und Hunger begeistert, ohne wirklich originell sein zu müssen.
Nach der Hälfte seiner rund 12 Minuten Spielzeit kommt dennoch der superbe Twist: Das Quintett setzt den Umkehrschub und steigt für eine Art Anti-Crescendo in die Unterwelt hinab, growlt und drückt geradezu noisig und abrassiv in aufreibender Trance auf den Punkt, wo sich die Szene im dämonischen Wahn verdichtet. „It basically just hammers home the whole idea of you’re here now and you’re stuck here“ analysiert Clarke das Highlight von At Work In The Fields Of The Bomb. „All you have is reflection.”


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