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Defeater – Defeater

Nach dem Ausstieg von Jason Maas finden Defeater für ihr fünftes Studioalbum einen gelungenen Ansatz, um das festgefahrenen Sound- und Erscheinungsbild ihres Melodic Hardcore ein wenig freizuspielen: Zurück zu den Wurzeln!

Freilich hat das passenderweise selbstbetitelte Werk nie die ungeschliffene Rohheit von Travels oder den restlichen Highlights der jungen, kaum zu bändigenden Defeater, und manövriert sich auch nicht gänzlich aus der kreativen Sackgasse, die das laufende Jahrzehnt nach und nach mit sich brachte und vor vier Jahren im schalen Abandoned mündete. Die elf Songs der neuen Platte kurbeln die Dinge aber aber so eloquent und packend an, wie man das kaum noch für möglich gehalten hätte: Besser, weil fokussierter und griffiger, waren Defeater seit Empty Days & Sleepless Nights nicht mehr.
Einige wenige auf Durchzug schaltenden Passagen, die entlang verinnerlichter Genre-Standards dafür sorgen, dass die Frühphase der Band unerreicht bleibt, schmälern deswegen kaum die Freude darüber, dass das Quintett aus Boston so impulsiv wie lange nicht klingt, das Tempo und die Intensität ebenso versiert variiert, wie die knüppeldicke Dynamik trotz einer immanenten Kompaktheit herrlich variabel bleibt.

Alleine wenn List & Heel seine melodiös perlenenden Gitarren in die verzweifelte Dramatik stürzen lässt, oder das angriffslustige Atheists in Foxholes (mit Have Heart-Nackenbrecher Pat Flynn am Mikro) und Dealer / Debtor so energisch das Hardcore-Gaspedal durchdrücken, holen Defeater unmittelbar an Bord, liefern zahlreiche Szenen zum entdecken und austicken.
Mother’s Sons lebt von einer kraftvollen Performance und knackig platzierten Stellschrauben zwischen brachialer Wut und atmosphärischem Gefühl. All Roads kanalisiert dagegen eine besonders ambitionierte Aufbruchstimmung in der gelösten Dringlichkeit und Stale Smoke malmt beinahe postmetallisch. No Guilt bleibt unberechenbar und überrascht mit der klaren Linie einer punkig ausbrechenden Lead, während Hourglass in ambienten Texturen badet.
All das wird höchstens vom abschließenden No Man Born Evil in den Schatten gestellt, weil hier Modern Life is War-Stimme Jeff Eaton dort ein solch emotional-verausgabendes Charisma in den Song pumpt, dass die allgemeine Zurücknahme des übergreifenden Narrativs wie eine von den Schultern genommene Last anmutet. Insofern fehlt höchstens ein kleines Quäntchen Genie, vielleicht auch der eine tatsächlich ikonisch aus der a(m Stück am schlüssigsten funktionerenden) Masse herausragende Übersong, für zumindest die nächsthöhere Wertungsstufe. Was zählt ist aber ohnedies einzig: Defeater sind wieder hungrig – und legen zumindest bis auf weiteres die Messlatte im Genrejahrgang 2019.

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