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Eels, Nicole Atkins [19.04.2013 Orpheum, Graz] - HeavyPop.at

Eels, Nicole Atkins [19.04.2013 Orpheum, Graz]

von am 20. April 2013 in Featured, Reviews

Eels, Nicole Atkins [19.04.2013 Orpheum, Graz]

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Tatsächlich zügellos sind nur wenige Momente des sorgsam inszenierten Tourauftritts der Eels – aber zum Schluss ist das Orpheum ein beinahe Flaming Lips-würdiges Tollhaus mit tanzendem Schimpansen-Mädchen, grimmigen Türsteher Clown und einer haltlos schauspielernden aufspielenden Rockband in der Hauptrolle.

Das Licht ist längstens angegangen, Musik aus der Konserve läuft wieder, die Bühne ist leer und Garderoben wie Merchstand werden bereits geplündert. Plötzlich dröhnt ‚Stick Together‚ auf – und plötzlich ist eine Zugabe wieder ein klein wenig, was Zugaben heutzutage kaum noch sind: freudige Überraschungen anstelle einer pragmatischen Notwendigkeit. Die grandios aufeinander eingespielten Eels erwischen mit dieser Aktion nicht wenige Besucher am falschen Fuß, liefern vor allem aber das versinnbildlichte Conclusio des Abends: das mag statisch durchgeplant sein bis zur letzten Sekunde, funktionieren tut das Konzept aber dennoch – leider greift die versierte Spielfreude der Band aber nicht immer derart nahtlos auf das Publikum über wie in der Funken sprühenden dritten, abschließenden Zugabe.

Ein Grund dafür mag sein, dass das aktuelle, zehnte Studioalbum ‚Wonderful, Glorious‚ als klares Fundament der Setlist ein durchwegs gutes Werk der Eels-Discographie ist, aber eben wieder kein herausragendes. Saloppe Rocker wie ‚Bombs Away‚, ‚Peach Blossom‚, ‚New Alphabet‚ oder ‚Kinda Fuzzy‚ erfüllen ihre Aufgabe so souverän wie kurzweilig und doch auch ein bisschen unspektakulär. Die gefühlvollsten der neuen Songs (‚On the Ropes‚ und vor allem das grandios intensiv anschwellende ‚The Turnaround‚) beweisen sich nach der Studioversion auch im Livegewand als große Gewinner der jüngsten Eels-Geschichte und potentielle kommende Instant-Songs. Ansatzweise dort verharrt ein ‚In My Dreams‚ bereits, ‚Prizefighter‚ ist hingegen als wirksamer Arbeiter längst nicht mehr aus dem Programm wegzudenken. In diesem Umfeld aus bluesigen Rumpel-Rockern funktionieren Coverversionen wie das stimmungsvolle ‚Itchycoo Park‚ (The Small Faces) und die heavy Stop-and-Go-Party ‚Oh Well‚ (Fleetwood Mac) von sich aus nahtlos. Und die rar gesäten unsterblichen Klassiker wie ‚Fresh Feeling‚ (als wunderbar aus der Schiene gehobener California-Indiepopper) oder das Mash-Up aus ‚My Beloved Monster‚ und ‚Mr. E’s Beautiful Blues‚ glänzen ohnedies makellos.

Da wirkt das strikte Szenario auch mit einem Mal gar nicht mehr so statisch: die Eels positionieren sich in besten 50s-Charme aufgestaffelt und in Technicolor als bunte Gang, der einheitliche  Dresscode verlangt Adidas-Trainingsanzüge und ebensolche Sneakers, Sonnenbrillen und eine lange zurückliegende Rasur – daran halten sich bis zur Backing-Crew alle. Wie E derart auf seinem eigenen Podium den Zeremonienmeister gibt, vor Windmaschinen (!) als schrulliger Neandertaler und Höhlenmensch einen Affentanz aufführt und sich immer wieder zu kleinen Slapstick-Einlagen berufen fühlt, das unterhält mit Hintergedanken gefällig, verdeutlicht aber auch: die Eels sind mittlerweile zu einer ironisch gebrochenen Entertainment-Version rund um den ehemaligen Grantler E („Even I had fun!„) geworden. Das ist von der Magie alter Tage weit entfernt, unterhält jedoch abermals mühelos nach dem aktuellen Eels-Standard.

Wo Nicole Adtkins (kennt man eventuell) im Vorprogramm also als elfenhafter Hobbit (keine Schuhe, dafür ein umhangähnliches Oberteil – ein Outfit, dass die entrückte Unwirklichkeit ihrer Rocksongs zusätzlich unterstreicht) alleine mit ihrer Gitarre und reichhaltigem Tremolo-Einsatz karge aber gefühlvolle Singer-Songwriter-Miniaturen in die Nähe von Scout Niblett und Josh T. Pearson haucht und damit vor allem instinktiv musizierend wirkt, haben die Eels diese Natürlichkeit momentan bis zu einem gewissen Grad abgelegt. Wenn da die Roadies im Hintergrund dem kakophonischen Set-Finale von ‚Wonderful Glorious‚ entgegenalbern, E sich umarmen lässt oder zum zehnjährigen Bühnenjubiläum mit The Chet das Gelübde zwischen Gitarrist und Frontmann durch den bandeigenen Prediger Koool G Murder erneuern lässt, bevor Schlagzeuger Knuckles dazu als Hochzeitsbarde den Bette Midler Klassiker ‚Wind Beneath My Wings‚ schmachtet – die Grenze zwischen dem offenbar minutiös einstudiertem, letztendlich irritierendem Schauspiel und tatsächlich echter Euphorie verwischt da irgendwo inmitten von Show und Leidenschaft, denn eben: das selbe Theater bei jedem Konzert – das wirkt bei einer Band wie den Eels geradezu skurril.
Die besten Momente geschehen deswegen immer dann, wenn E und seine Kombo eben diese gelenkte Routine gekonnt und energisch umspielen, keinen Gedanken daran verschwenden lassen, dass hier eine Band nur ihren Job erledigt. Im Orpheum gelingt dies am eben am besten während der finalen Zugabe – über Seite Strecken jedoch auch darüber hinaus.

Setlist:
Bombs Away
Kinda Fuzzy
Open My Present
Oh Well
Tremendous Dynamite
In My Dreams
On the Ropes
Peach Blossom
Prizefighter
The Turnaround
New Alphabet
Fresh Feeling
The Sound of Fear
Wind Beneath My Wings
Go Knuckles!
Itchycoo Park
Souljacker, Part I
Wonderful, Glorious

Encore:
I’m Your Brave Little Soldier
My Beloved Monster / Mr. E’s Beautiful Blues

Encore 2:
Fresh Blood

Encore 3:
Stick Together
Go EELS!

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