God Mother – Köttvärld
Neun lange Jahre haben sich God Mother für ihr drittes Studioalbum Köttvärld Zeit gelassen, auch wenn ihnen derweil durch kurze Attacken hier und da keineswegs langweilig wurde.
Der MO der Schweden läuft insofern trotz der langen Langspielerpause wie geschmiert: Alleine was für eine keinerlei Orientierungsprobleme bietende, abgeklärte Bestimmtheit die auf 25 Minuten Spielzeit destillierte Platte nun eine an den Tag legt, spricht absolut für sich.
Zumal God Mother den Weg von Maktbehov zu Vilseledd eingeschlagenen Weg fortsetzen, also ihr Blackened-Gift weitestgehend zurückgezogen haben, sich dafür aber endgültig zu eine Art Hardcore Punk’n’Roll-Antwort auf Das Oath entwickelt haben. Wobei die Perspektive natürlich nicht exklusiv ist, das Quartett hält seinen Sound mit ständigen Variationen dynamisch und hungrig.
Open Vein bolzt tackernd die Zähne und die Chainsaw fletschend im metallischen Galopp, Dopamine Wire grinded und brüllt mit noch markanteren Gitarren wie eine Every time I Die-Party mit Converge, zu der auch Enabler eingeladen ist, nachdem Stranger dramatischer kloppend oszilliert.
Almost Intelligent rockt dagegen zu einem Szenario, das klingt, als wären Frontierer eine Metalcore-Band und Limbless wirbelt tatsächlich wie ein The Hives-Einsatz, der mit Stooges-Mentalität am berserkernden Gaspedal steht. Fault grummelt dagegen gedrosselter groovend als böser und fieser Malstrom, der rhythmisch klackernd tänzelt, bis die Lage immer dichter im Sludge bratend hinten raus eskaliert.
Tin Gloss ist ein Mathcore-Ventil mit einem martialisch trommelnden Finale und der Derwisch Bloat Leech ist kaum zu bremsen, bis die Band atmosphärischer auf die nachdenkliche Bremse steigt. Das bollernde False Self wird nicht nur Ben Koller und Nate Newton ein glückseliges Lächeln ins Gesicht prügeln, so wie God Mother da mit stoischer Wut hämmern, derweil die Gitarren drumherum thrashig heulen.
Als archetypisches Finale räumt sich der Quasi-Titelsong Meat World dann seinen Platz zwischen dem Noise Rock und Post Hardcore im KEN Mode frei, und lässt die Double Bass zur stoischen Masse aus repetierten Riffs und fiebrigen Bläsern rollen. Preise für Originalität sind auch dann kaum das Ziel einer Band, die die Regeln des Spiels einfach besser und zwingender beherrscht, als die Konkurrenz.
Nur das für Live-Situationen sucht dankbare Zwischenspiel Healer Lodge (das theoretisch gut passt, um Luft zu holen, praktisch aber den Rausch ausbremst – zumal die Nummern danach ein bisschen deutlicher ineinander zu verschwimmen drohen) hätte man sich in diese Länge auf Platte sparen können.


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