God Mother – Obeveklig

von am 10. Mai 2022 in EP

God Mother – Obeveklig

Nachdem God Mother vor 5 Jahren rund um die Abschiedsshows von The Dillinger Escape Plan ordentlich abräumten, ist es verdächtig ruhig um die Schweden geworden. Dabei hat die Band nichts von ihrer Sprengkraft verloren, wie Obeveklig nun demonstriert.

In einem halben Jahrzehnt Funkstille seit Vilseledd hat sich nichts grundlegendes bei God Mother verändert – immer noch spielt das Quartett seinen metallischen Hardcore mit dem Math und Punk taufen lassend, chaotisch aggressiv und mit energischer Kraft austickend. Die Nuancen in den Schwerpunkten haben sich allerdings doch merklich dahingehend verschoben, dass dissonante Tendenzen eine gewichtigere Rolle in den Texturen spielen, und die naheliegendsten Referenzen nunmehr Converge und Cult Leader sind. In Host Body, dem gleich einmal ein Drittel der insgesamt neun Minuten Spielzeit von Obeveklig einnehmenden Opener, vermessen God Mother so kompakt wie zerschossen im tackerndem Geballer und brutalem Geschrei hinter dem Gekeife die Distanz bis zum atmosphärischer grummelnden, mit staubigen Gitarren abtauchenden Sludge, bevor der Brennwinkel der EP erst immer enger gestellt wird.

Teething schnalzt mit mehr Grind am Gaspedal, teilt giftig fauchend aus, bevor Köttkropp tollwütige Purzelbäume durch ein Minenfeld schlagend destilliert, und Tunnel Form wie ein bockiges Pferd auf Speed ausschlagend galoppiert, mit Gitarren, die für wenige Augenblicke an Pulling Teeth erinnern.
Dass Di$ney Jail danach auf einen malmenden Groove der Rhythmussektion baut, gibt der Mischung aus Blastbeats, Riffs und einer neuen Freude an atonalen Elementen eine geradezu straighte Form und taucht den Spielfluss eher neu an, als dass er ihn zu einem runden Ende bringt. Was uns trotzdem zu einzigen Manko dieses Comebacks bringt: Obeveklig fühlt sich wie die erste Hälfte eines unvollendeten Langspielers an. Mit dem Vorwurf, ihre Rückkehr gerade wegen der gezeigten Qualitäten einfach zu kurz bemessen angelegt zu haben, werden God Mother aber hoffentlich entsprechend umgehen können – und möglichst bald mehr Material nachschieben.

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