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James Blake x Endel – Wind Down

James Blake x Endel - Wind Down

Science Powered Soundscapes: Der derzeit primär offenbar als reibungslose Werbe-Figur (etwa auch als Partner von Sprite) beschäftigte James Blake hat mit der AI-App-Firma Endel die einstündige Einschlafhilfe Wind Down konzipiert.

Die Musik als Begleiter zu und im geruhsamen Schlaf scheint ja ein Nischen-Reizthema für so manchen Künstler zu sein, doch sollten, wollen und können die Ergebnisse aufgrund der intendierten Wirkung als reines Funktions-Element wohl nicht (über- oder unter-)bewertet werden.
Der im vergangenen Jahr mit Friends That Break Your Heart seine wiedererlangte Klasse unterstrichen habende, derzeit aber vor allem für produktfremde Promotionzwecke eingespannt scheinende Blake hat sich für seine Ambitionen im entsprechenden Sektor jedenfalls mit mutmaßlichen Experten zusammen getan: „Endel is a generative music algorithm that uses predictive mechanics and neuroscience to create personalized background music with the intention to help people focus and relax. It uses information such as location, weather, heart rate, and circadian rhythms to select appropriate audio stems composed by Dmitry Evgrafov.

Ziel der (zwei Stunden vor der Bettruhe konsumiert werden sollenden) Kooperation ist es also den Stress des Tages hinter sich zu lassen, abzuschalten, und sich auf den Schlaf vorzubereiten.
Dafür bedient sich das hybride Gespann eines strukturfreien Ambients, der sich hinter formoffenen, minimalistischen Synthflächen und vagen Klavierschwaden an die (von Texten oder greifbaren Melodien entrückte) Stimme von Blake als körperlose, fast geisterhafte Melancholie erinnert: friedlich und unaufdringlich, passiv und wohlklingend, schöngeistig umsorgend, still und beruhigend, unspektakulär und imaginativ – eben entspannt und relaxt den Hintergrund berieselnd.

Dass sich die 15 Tracks kaum auseinanderdifferenzieren fördert freilich nicht die originäre Identität oder Originalität der 62 ineinanderfließenden Minuten eines sphärischen Soundtracks, doch hat diese ereignislose Austauschbarkeit durchaus Mittel zum Zweck: Wenn etwa ein 4th Soundscape sein nostalgisch perlendes Piano und Blakes Gesäusel präsenter aus der sedativen Wirkung herausheben, ist das „kompositionell“ vielleicht schon ein wenig markanter, als der Rest – für die angestrebte einlullende Wirkung an sich aber gefühlt kontraproduktiv, weil die Aufmerksamkeit wieder expliziter gefördert wird.
Nachdem 5th Soundscape wieder in ein nautisches Land der Träume abtaucht, ist eine vorsichtige Lebendigkeit wie in 9th Soundscape insofern wohl im Rahmen der Absichten zielführender.
Andererseits: Blake und die AI werden schon wissen, was sie tun. Ob das gefällige, aber an sich eben wirklich wie ein vom Rechner konzipierter James Blake-Ambient-Remix klingende Wind Down tatsächlich „funktioniert“, darüber könnte nur ein Feldversuch Rückschluss geben. Zumindest angenehm ist das alles aber durchaus.

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