Käfer K – Zu verwerfende Pläne

von am 28. April 2013 in Album

Käfer K – Zu verwerfende Pläne

Wenn schon Hymnen im Ansatz, dann mit ordentlich vielen Stöcken zwischen den Beinen: Käfer K beißen, zwicken und kratzen sich in zweiten Anlauf nochmal eine ganze Ecke näher ran an die erste Riege von allem, was auf Deutch (post)punkt, kantig rockt und Emotionen auskotzt.

Käfer K nehmen für ‚Zu verwerfende Pläne‚ den Faden auf, der das Quartett spätestens auf (dem digital immer noch gratis zu erhaltenen) Debütalbum ‚Von scheiternden Mühen‚ als eine der vielversprechendsten Zukunftsaktien junger deutscher Sturm-und Drang-Musiker ausgewiesen hat. Dem damaligen tendenziellen  Ansatz zum Indierock wird diesmal aber nur noch in den traditionell anmutig tröpfelnden Instrumentalnummern und genehmigten Ruhepausen ‚IV‚ und ‚III‚ nicht das Fell über die Ohren gezogen – ansonsten möchte viel eher die Post-Hardcore-Vorliebe der Band gerne und energisch gegen den Strich gebürstet. Wenn das Leben schon Steine in den Weg legt, wollen Käfer K wenigstens zurückspucken. ‚Zu verwerfende Pläne‚ ist das kleine, trotzige Biest Musik dazu geworden.

Zu dem ganz großen Sprung in die erste Riege fehlen den jungen Münsteranern auf der knackigen Distanz von 27 Minuten vielleicht noch die wirklich herausragenden Highlights – dafür haben sich Käfer K jedoch auch jedwede Ausfälle ausgespart. Selbst schizophrene Alkohol-Zwiegespräche (‚Julian lebt mit seinen Lügen‚) zünden da früher oder später und lassen gar böse Komik zu, wo anderswo die Menschen sterben und die Zeit trotzdem weitergeht („Der Müller schläft für immer ein/ Der Mühle ist es scheißegeal“). Das intensive, eindringliche ‚269, wer ist König‚ überlässt  das Mikrofon auch mal Adolar-Stimme Tom Mischok und dem Käfer K-Labelkollegen Polli von Paan, ansonsten wringt sich Sänger Jürgen Martin Loth alle Facetten seiner Stimmbänder ab. Da kaschiert Emotion und pure Leidenschaft jeden noch vorhandenen Makel locker mit reichlich Herzblut.

Gleich das eröffnende ‚Lego‚ wird so zum stärksten Song der Platte, wie Käfer K sich da über knapp drei Minuten Minuten gewitzt über immer neue Weggabelungen entlanghanteln, auch danach vor vor keinen giftig grätschenden Gitarrenlinien oder kompositorischen Verrenkungen zurückschrecken. Mit einer beinahe hysterischen Melancholie attackiert und dirigiert Loth diese kleinen widerspenstigen Brocken, ‚Sirius‚ stolpert später als weiteres Paradebeispiel umständlich packend Richtung Ohrwurm, treibt schließlich aber doch lieber meditativ rockend von jeder allzu gefälligen Eingängigkeit weg. Nicht nur hier dürfen ruhigen gewissen die junge 2003er Biffy Clyro oder ungeschliffene Fugazi als Referenzpunkte neben den üblichen deutschsprachigen Verdächtigen (Matula, Captain Planet, Turbostaat, Mikrokosmos 23, Katzenstreik, Frau Potz, etc., etc. ) herhalten. Bis Käfer K all den erwähnten Kollegen auf Augenhöhe begegnen, da fehlt oft noch das kleine Quäntchen. Hinsichtlich des stetig voranschreitenden Wachstumsprozesses des Quartetts ist das mutmaßlich aber nur eine Frage der Zeit, nicht des Könnens. Bis dahin werden sich Käfer K damit begnügen müssen, zumindest schon einmal eines der bisher besten (deutschsprachigen) Alben des Jahres vorgelegt zu haben.

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