Killing Pace – HCPM
Das Artwork nimmt es vorweg: HCPM, das Debütalbum von Killing Pace, ist ein plastischer ausformuliertes Update der fabelhaften selbstbetitelten EP von 2022. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ebenso wenig kryptisch wie das Cover-Artwork angelegt ist, steht HCPM für Hardcore Punk Metal. Was die stilistische Essenz der Band aus Richmond direkt auf den Punkt bringt – auch wenn sie die restlichen Schattierungen des Killing Pace-Sounds aus dem Grindcore, Metalcore, Powerviolence oder Crust damit unter der Tisch kehrt.
In weiterer Konsequenz passt ein Titel mit einer derart frontalen Plakativität auch ideal zum generellen Auftreten von Zack Hullinger (Drums), Vlad Alexeev (Bass), den Gitarristen John Romanosky und Mark Jones sowie Vocalist Justin Manzie, die ihre Kampfzone weniger mit einer individuelle Originalität reklamieren, als dadurch, dass sie inmitten solch brutaler Referenzen wie Nails, Ingrown, Scalp oder Scarab keine Gesten der Unterwürfigkeit zeigen, sondern ihre Ellenbogen mit einer aggressiven Kompromisslosigkeit ausfahren, die an der Speerspitze der Szene nötig ist.
Manchmal auch mit direkter Unterstützung eben jener Kollegen. War Machine gönnt sich beispielsweise mit Antichrist Siege Machine einen Death-Anhang und Suppression schaltet mit Brain Tourniquet und The Final Agony ab der Mitte einen Gang höher, um dann im Noise auszubluten. Auch Mangled State (mit Division Of Mind) folgt diesem irgendwann nicht mehr überraschenden Switch, verausgabt sich manisch und schaukelt ab der Halbzeit bissig dahin, bevor Killing Pace mit den Burn After Listening-Geistesverwandten im Closer Resist / Desensitize noch einmal ihren ganzen Negativismus abfackeln.
Dass die Gastspiele den Fokus des stark produzierten, intensiv angezogenen Agressions-Ventils höchstens rudimentär verrücken, gehört freilich zum guten Ton.
Für den Sprint, den 10 Songs über die Distanz von gerade einmal 17 Minuten hinlegen, tackern Killing Pace gleich mit dem thrashig heulenden, rockig fetzenden Doppel des Titelsongs und Digital Evisceration mit einer Zielstrebigkeit los, die im weiteren Verlauf nur durch Predation ausgebremst wird, in dem der pochende Noise-Aufbau eine geduldige Radikalisierung forciert, als instrumentales Zwischenspiel in seiner relativen Länge aber eher ein wenig die Energie aus einer sonst so atemlosen Husarenritt nimmt, bevor Pulled Into The Gears richtig Dampf ablässt.
Vor allem das rotzige, räudige Doppel aus dem grindigen Wirbelsturm Afflicted sowie dem rasenderen Suffer bringen die infernale Wut von HCPM mit extremer Härte auf den Pit-Punkt. Dass die 2022er-EP der Band noch eindrücklichere,vielleicht sogar ikonischere Grenzgänge versprochen hat, ist gerade in diesen Momenten komplett nebensächlich. (Weswegen die Bewertung zwischen den Punkten liegend auch eine wohlwollend knüppelnde Aufrundung erfährt.)


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