Kim Gordon – Play Me
Play Me endet mit einem Update davon, wie The Collective begonnen hat. Allerdings stagniert Kim Gordon weder, noch dreht sie sich mit ihrem kongenialen Produzenten Justin Raisen im Kreis.
Viel eher entsteht eine spiralförmigen Bewegung um die mittlerweile voll ausformulierte Identität von Gordons Solo-Karriere. Und damit auch ein ebenso paradoxes wie schlüssiges Kuriosum.
Das dritte unter alleinigem Namen veröffentlichte Album der ehemaligen Sonic Youth-Halbspitze macht eigentlich exakt dort weiter, wo der Vorgänger von 2024 die experimentellen Trap- und Hip Hop-Ideen von No Home Record (2019) konkretisierte – fühlt sich trotz der selben ästhetischen Orientierungspunkte jedoch ganz anders an.
Gordon selbst nennt Play Me im direkten Vergleich zu The Collective beatlastiger, krautiger, fokussierter und selbstbewusster – und hat damit sicher absolut recht. Sie und Raisen übersetzen diese Tatsachen aber auch in das Bewusstsein, ihre bisherige Soundsprache noch essentieller verdichtet einzufangen. Die Songs sind nun kürzer und direkter ausgefallen, gleichzeitig als Ganzes merklich vielseitiger angelegt, konzentrieren sich vermeintlich nicht derart homogen auf grimmige Abgründe – selbst wenn sich die Aussichten der substantielle Natur grundlegend verdüstert haben: „Wir befinden uns in einer Art ‚Post-Imperium‘, in dem Menschen einfach verschwinden. Wir sind die Ersten, deren Licht ausgeht – nicht die Tech-Milliardäre. Es ist so abstrakt, dass die Leute es nicht begreifen können. […] Es ist quasi ein fester Bestandteil der Bequemlichkeitskultur, in der wir leben, in der unsere Entscheidungen ständig kuratiert werden. Produkte werden so vermarktet, dass versucht wird, unsere Stimmung vorherzusagen, noch bevor wir sie haben. Ich finde das interessant und gleichzeitig wirklich beleidigend.“
Play Me wirkt so jedenfalls heller, offener und leichter zugänglich als sein faszinierender Vorgänger. Wohl auch weniger herausfordernd und in die Tiefe gehend. Tatsächlich ist die Platte aber dennoch ähnlich ergiebig. Weil die sich niemals in einem Entwicklungsstadium ausruhende Gordon ihr Material diesmal eben anders aufwiegt, indem sie es deutlich knackiger und unterhaltsamer anlegt, als zuletzt.
Wie der Titelsong etwa auf ein verträumtes Vintage-Bläser-Sample gebaut ist, addiert aus der Zeit gefallene Rap-Game-Retro-Vibes in den Kosmos der 72 jährigen, derweil Girl With a Look zu einem dominanten Bass und halluzinogenen Synth-Schleifen joggt, als wolle William Basinski in Dälek-Abenteuern rocken. Not Today ist ähnlich ausgerichtet sogar noch unbeschwerter laufend glimmernd-schimmernder… Drone-Ambient-Pop?
Grodon phasenverschiebt den Trap zu bratzenden Gitarren und klackernde Maschinen (No Hands), lässt ihn als Trance am sinister zappeln (Black Out) und lehnt sich doch vor allem scheinbar so mühelos relaxt zurück (Dirty Tech). Square Jaw ist ein deliranter Trip von einem Schlachtruf („Put your lips together“ markiert eine der besten von vielen starken Hooks im Verlauf der Platte) und die wummernde Coolness von Subcon zelebriert den Eskapismus als Sturz ins Kaninchenloch. Post Empire dekonstruiert seine Instrumente dagegen als mystische Gebietsverwaltung und das nervöse Nail Biter wächst cinemtographischer als ruhelose Kontemplation.
All diese Mosaiksteine wirken dabei ebenso ausschnitthaft wie komplett – komprimiert und rund. Wofür übrigens ausgerechnet das Dave Grohl-Gastspiel Busy Bee synonym steht. Dunkel und kompakt grummeln Gordon und der Mann, der die Foo Fighters auf Autopilot lenkt, hier durch eine Post-MTV-Welt, schaufeln sich im Trap frei und definieren Zerfahrenheit als unberechenbare Kurzweiligkeit (die diesmal jenes Aufrunden bei der Bewertung bekommt, das dem Vorgänger noch verwehrt blieb).
Das Update BYEBYE25! wirkt danach dann auch beinahe wie ein redundanter Epilog, hat in seiner scheinbar willkürlichen Wort-Abfolge natürlich ein System – als politisches Statement, das den Zustand der USA als kulturelle Abwärtsspirale dokumentiert.


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