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King Buffalo – Dead Star

King Buffalo machen auf ihrer vierten EP Dead Star nicht alles richtig, stellen aber die Weichen, um dem vier Jahre alten Debütalbums Orion potentiell einen wahren Triumphzug nachlegen zu können.

Gleich das eröffnende Red Star Pt. 1 & Pt. 2 zeigt schließlich, dass das Trio aus Rochester seine angestammte Spielwiese nicht nur gefühlvoller artikuliert als bisher bereits, sondern auch merklich erweitert hat. Die Suite erwacht schließlich mit bedächtiger Tribal-Rhythmik und weicher Melodieführung aus dem Ambient, der psychedelisch angehauchte Retro-Einschlag zeigt Zärtlichkeit und Sanftmut mit seinem unaufgeregten Stoner-Groove, zudem beginnen retrofuturistische Texturen in Neonfarben zu schimmern. Doch man ahnt: King Buffalo lauern und warten, pulsieren abgedämpft von Pink Floyd zu Hawkwind – bevor ein doomiges Riff über die Szenerie kippt, die Zügel enger gezogen werden und die Nummer konzentriert verdichtet nach vorne stackst.
Dabei zeigt sich einerseits, dass der Gesang von Sean McVay seine Stärken längst nicht in jenen Passagen hat, die hartnäckig packen wollen, sondern im melodischen Umgang ohne Heaviness; und andererseits, was die vielleicht größte Schwäche von Dead Star ist, wenn schon Eingang kein Exzess provoziert wird. Denn auch im weiteren Verlauf wird es King Buffalo nicht gelingen, wirklich unbedingte, überwältigende Höhepunkte am Ende der Spannungsbögen zu erzeugen. Stets scheint ein Schritt vor dem erlösenden Klimax zu fehlen, der das grundlegend auf ein neues Niveau gekletterte Songwriting und Händchen für atmosphärischen Eklektizismus verdient adeln würde.

Dass Dead Star darüber hinaus eher eine Abfolge von Einzelsongs ist, keine erschöpfende, homogen konzentrierte Masse, die sich weniger summiert, als vielmehr so verdammt viel Potenzial aufzuzeigen, fällt dagegen weniger schwer ins Gewicht. Immerhin überzeugt jeder Ansatz der EP, substantiell wie ästhetisch.
Echo of a Waning Star agiert entschleunigt, streichelt verträumt und trägt sehnsüchtig einen folkigen (auch entwicklungsresistenten) Anachronismus unter dem Strom. Ecliptic holt die Synthies aus den Arrangements in den alleinigen Vordergrund und reproduziert jenes 80er-Vintage-Flair aus der Feder von John Carpenter, das Stranger Things wieder populär gemacht hat,  Black Mountain aber schon weit vorher ähnlich nachdenklich restauriert haben. Allerdings wirkt der Stilwechsel in dieser Konsequenz zu streng vom restlichen Songfluss isoliert, zu wenig organisch eingebettet und kommt nicht über das vielversprechend einnehmende Interlude hinaus.
Kompletter ist da schon die zweite Plattenhälfte mit Eta Carinae (eine Melange aus Math-, Prog- und Space-Rock mit heroisch heulenden Classic-Gitarren und einem nicht zu Ende gedachten Twist zum ersten The Sword-Album) und dem Titelstück (das wie eine von Mark Hoppus gesungene Biffy Clyro Halbballade an der Akustikgitarre anmutet, dann aber lieber in der Schule von Amplifier sozialisiert anschwillt, anstatt den stadiontauglichen Kitsch zu wählen – obgleich nach dem räumlichen Opener zu wenig Gewicht bekommend). Auch wenn die Luft für das Trio nach oben also stets (ein klein bisschen frustrierend) spürbar bleibt – sie war für King Buffalo noch nie dünner als hier.

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