Kings of Leon – EP #2
Das Kurzformat ist eines, das die Kings Leon selten und vor allem seit langem nicht mehr bedient haben – ganz so, wie es der (den chronologisch sortierenden Komplettisten unter ihren Fans wohl Kopfzerbrechen bereitende) Titel EP #2 verdeutlicht.
Mit dem tollen Can We Please Have Fun als Rückenwind haben die Followills aber aktuell eben einen kreativen Lauf und durch die beiden Zack Bryan-Kooperationen Bowery und We’re Onto Something wohl zudem gelernt, dass man einen solchen auch ohne Album-Kontext umsetzen kann.
Also versammelt die Band nun eben entlang einer 15 minütigen Spielzeit vier neue Songs – die sich nicht erst beim an Find Me gemahnenden Closer The Wolf, aber eben besonders dort, mitunter dadurch definieren, dass die Rhythmussektion des Quartetts zwar (wenngleich weniger dringlich auf die Umstände eingehend) immer noch kompakt stehend antreibt, die Gitarren aber mittlerweile schon mal mehr Interesse an atmosphärischen, psychedelischen Texturen denn knackigen Riffs haben, und die Gesangslinie auf sofort zugängliche Weise catchy ist, dabei allerdings unverbindlich und den emotionalen Knockout schuldig bleibt.
Im konkreten Fall von The Wolf (einem soliden Instant-Ohrwurm, der es nicht zum Hit schafft, aber verdammt viele Fans nichtsdestotrotz glücklich machen sollte) sorgt dennoch höchstens ein abruptes Ende für einen latent unbefriedigenden Nachhall.
Dennoch bestätigen die Kings of Leon mit der EP #2 ihre aktuelle Form, zudem in einem homogenen Rahmen.
Das nicht von der Stelle kommen wollende, dafür aber eine frühe Tame Impala-Wurzel samt Single-Potenz findende All the Little Sheep groovt herrlich mit lässiger Kompaktheit über dem Spanisch Sahara-Hintergrund und die Bridge gönnt sich gar eine soulige Ahnung – so hätte die Zukunft der Band womöglich nach Because of the Times weitergehen können, wenn Sex on Fire nie passiert wäre.
Das Highlight To Space gibt sich dagegen wie eine klatschende Erinnerung an die Lockerheit der ersten beiden Alben, nur eben mit einer altersmilden Unaufgeregtheit und Gemütlichkeit. Dass die Band hinten raus ein The Cure-Flair an Bord holt, aber justament abblendet, wenn ein Gitarrensolo sich anschickt, in der am peripheren Sichtfeld stattfindenden Party für Menschen, die lieber dösen, ausgelassen aufzublühen, ist absolut symptomatisch. Pit to the Rind bleibt dagegen mit Take My Breath Away als gefühlte Basis für seine verführerische Hook grundlegend dem Understatement verpflichtet. Mehr noch, in der ruhig, reduziert und entschleunigt auftretenden ersten Hälfte der Nummer scheint es gar ansatzweise so, als könnte die Band zu ihrem ersten Ambient-Synthpop Song aufbrechen – doch dann dreht man sich gefühlvoll und romantisch – wobei: wer kann das bei den kryptischen Texten der EP #2 schon genau sagen?) unter dem balladesken Sternenmeer des Indie, Southern Rock und Americana.
Haben wir es hierbei also mit einem Indikator für Studioalbum Nummer 9 zu tun, dürften die Amerikaner also nicht nur den qualitativen Aufwärtstrend der letzten Langspieler prolongieren, sondern auch stilistisch ein wenig aus ihrer Komfortzone abrücken, ohne eine wirkliche Zäsur im Sound erzwingen zu müssen.


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