Kreator – Krushers Of The World
Nach einem erstaunlich starken Start in das neue Jahrtausend haben es sich Kreator zuletzt relativ solide liefernd auf einen die Stärken der Band nicht mehr fokussierenden Autopilot geschaltet gemütlich gemacht (bzw. mit Hate Über Alles gar frustrierend enttäuscht). Krushers of the World schickt sich jedoch an, wieder hungriger aufzutreten.
Nachdem der Melo Death-Gehalt in der DNA der Band aus Essen zuletzt immer weiter gestiegen ist, würzt die deutsche Institution diese Evolution nun zumindest wieder etwas deutlicher mit Verweisen aus verschiedenen Epochen der eigenen Historie – Krushers of the World deswegen in das Thrash-Regal stellen zu wollen, würde jedoch wohl nicht nur bei Puristen Unmut wecken, dafür tobt sich das Quartett weiterhin zu weit von den Wurzeln des Genres entfernt aus.
Was nicht zwangsläufig mit den eigenen Vorlieben harmonieren muss, um Mille und Co. doch einmal mehr attestieren zu müssen, dass sie eine grundlegende Bank im Metal bleiben.
Freilich gibt es abseits der Ausrichtung auch noch weitere subjektive Kritikpunkte, an denen man sich aufreiben kann.
Etwa, dass Kreator kompositorisch meist komplett formelhaft auf Nummer sicher gehen und praktisch jede Nummer um einen viel zu problemlos zugänglichen, sich regelrecht poppig anbiedernden – und letztlich relativ langweilig beim Erstkontakt mitgröhlbaren – Refrain konstruieren. Oder, dass die Riffs von Sami Yli-Sirniö schonmal einprägsamer waren.
Und natürlich, dass die extrem saubere, um nicht zu sagen klinisch reine und alle Kanten mit Fett glättende Produktion von Jens Bogren das Material viel harmloser wirken lässt, als es sein müsste – wie viel besser wäre Krushers of the World bitte mit einem dreckigeren, räudigeren Sound, der gar noch eine differenzierte Drum-Ästhetik oder weniger gleichförmige Dynamik zugelassen hätte?
Zumindest wenn man die 80er nicht vermisst, macht das 16. Studioalbum mit seinen plakativen Texten und generischen Tendenzen doch weitaus kurzweiligeren Spaß, als erwartet – gerade, wenn man die 80er nicht zu sehr vermisst.
Seven Serpents schraubt sich dann hymnisch zu Chören und Satanic Anarchy geht ein wenig konkreter an die Wurzeln des Thrash. Das Titelstück hat epischer schunkelnd eine ebenso latente wie polarisierende Wikinger-Mentalität und Tränenpalast lässt Britta Görtz von Hiraes für Suspiria vorkeifen – trotzdem wird aus der Nummer nicht mehr als ein solider Standard. Durchaus symptomatisch übrigens.
Dieses Niveau hält die Platte nach dem herausragenden Mittelstück (mit dem straighten Barbarian sowie dem fetzend-stampfende Highlight Blood of Our Blood, in dem die Gitarrenarbeit vom Riff bis zum Solo aufzeigt) in der zweite Hälfte vor dem relativ lahmen Schlusspunkt Loyal to the Grave mit dem choral inkonsequenten Psychotic Imperator und dem es sich gar zu einfach machenden Deathscream locker – Kreator machen wenig wirklich falsch. Oder: Man kann mit den 44 Minuten hier also rundum zufrieden sein, wenngleich sie praktisch nie zu begeistern wissen.


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