Marilyn Manson – The Pale Emperor

von am 14. Januar 2015 in Album

Marilyn Manson – The Pale Emperor

Brian Warner alias Marilyn Manson ist zurück. Schon seit über zwanzig Jahren im Geschäft, ist dieses das zweite Album, das ganz ohne Trent Reznor auskommt. Sein neuntes Studioalbum ‚The Pale Emperor‚ entstand in Kollaboration mit Tyler Bates (Musiker und bekannt für den OST zu Guardians of the Galaxy und für Serien wie Californication, wo er auch auf Warner traf) und das hört man auch (‚Cupid Carries Gun‚ dient beispielsweise bereits als Titelsong für die Serie Salem). Sonst paart sich Altbekanntes mit (für Manson) Neuartigem, was einem typischen Basic-Marilyn-Manson-Album einen frischen Anstrich verleiht, der aber trotzdem bei einigen Nummern noch den Rost alter Tage durchblitzen lässt.

Es wäre wirklich viel verlangt gewesen, sich zu erwarten, dass mit dem neunten Album des vormaligen Schockrockers, das Rad neu erfunden werden würde. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass Marilyn Manson schon längst als Schockrocker abgedient hat. Womit sollte er auch heute noch schockieren? Eben das scheint er nun auch beim Schreiben seines neuen Albums gemerkt zu haben und geht nun einen wesentlich melodischeren, reduzierteren Weg ganz abseits der Anti-Religions-Parolen, Drogen (die zwar schon eine Rolle spielen, aber nicht im selben Ausmaß), Identitätskrisen oder einem onanierenden Opa Jack von vorher.

So viel der Opener ‚Killing Strangers‚ mit den Zeilen „We got guns, motherfuckers better run“ auch zu versprechen versucht, so richtig überzeugt er nicht. Atmosphärisch, dunkel und nach altbekannter Manier zieht er sich dahin, unterstützt von Mansons Krächzen. Apropos altbekannt: Davon ist natürlich einiges auf ‚The Pale Emperor‚ zu finden, von der Industrial-lastigen (‚Slave Only Dreams to be King‚) wie von der rockigen Seite (ein vertrautes Drum-Muster hier oder ein Gitarrenriff da… sogar die wobbelnden, Schall-/Hall-Geräusche, scheinen schon – mal mehr, mal weniger -seit zwanzig Jahren auf Manson-Alben herumzuschwirren).

Aber es gibt auch Neuartiges, Unerwartetes zu entdecken: Brian Warner hat (wieder) Stimme. Klangen seine Vocals bei ‚Born Villain‚ und den letzten Alben relativ fertig und schwach, hat sie diese Platte wieder aufgeweckt. Nicht, dass sie zum vormaligen Leben erweckt wurden, aber man hat sie von einer anderen Seite „beleuchtet“, zum Beispiel indem meistens klare Vocals verwendet wurden. Auffallend neu ist auf ‚The Pale Emperor‚ ein bluesiger Einfluss (‚The Mephistopheles Of Los Angeles‚, ‚Slave Only Dreams to Be King‚, ‚The Devil Beneath My Feet‚), genauso wie die Gitarrensoli in den meisten Songs. Diese sind eher Manson-untypisch und konnten bisher nur auf Alben wie ‚Portrait of an American Family‚ (1994) oder ‚Eat Me, Drink Me‚ (2007) gefunden werden. Einige der Songs könnten auch so wie sie sind, einem Film- oder Seriensoundtrack entsprungen sein, so groovig und tanzbar sie daherkommen (‚Third Day of a Seven Day Binge‚) oder wären sogar Radiotauglich-rockig wie beispielsweise ‚The Mephistopheles Of Los Angeles‘.

Wenig übergemastertes, glattgebügeltes Gitarrengeschrammel oder belangloses Dahingeplänkel zwischen Blasphemie und dubioser Anzüglichkeit machen die Songs frischer – mit mehr oder weniger großen Portionen an altbewährten Zutaten war zu rechnen und kann man auch gut leben. Alles in allem kann man ‚The Pale Emperor‚ sicherlich als das interessanteste und solideste Manson-Album seit Jahren bezeichnen.

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