Orville Peck – Appaloosa
Street Fighter Vega alias Daniel Pitout produziert aktuell nicht nur Muskelvideos, sondern forciert durch das Kurzformat Appaloosa auch wieder seine Musik-Karriere als Maskenmann Orville Peck.
Für eine EP findet der seine künstlerischen Ambitionen zuletzt verlagert habende 37 jährige nicht nur zu seinem angestammten kreativen Medium zurück, sondern – nach dem ernüchternden Stampede – auch wieder weitestgehend zur gewohnten Form zurück, beinahe auf Pony– und Bronco-Augenhöhe.
Weil Peck seit 2022 auch Emcee war, gibt es mit Maybe This Time, das als reduzierte Acoustic-Nostalgie behutsam in den mit Pedal Steel und Besen umgarnten Band-Kontext gleitet, zudem eine elegante Verbeugung vor Cabaret.
Anderswo bedient sich Peck auch externer Inspirationen, ohne diese aber als direkte Cover ausweisen zu müssen.
Dreaded Sundown lehnt sich indirekt an Bang Bang (My Baby Shot Me Down), reitet aber mit episch angedeutetem Pathos und immer eiligerer Dynamik als stimmungsvoller Opener direkt hinein in den Trademark-Sound des gebürtige Südafrikaners. Der Ohrwurm Drift Away heult beschwörend polternd nach der Dead of Night-Formel, legt aber mehr Selbstbewusstsein an den Tag als der Song, der hier upgedated wird.
Und Oh My Days ist in der Strophe in melodischer Hinsicht ein gar nicht so heimliches Iris-Plagiat, findet dann im Refrain aber folkiger schunkelnd seinen eigenen Weg – und ergreifendes Herzleid: “It hurts thinking you’ll go away/ But it’s just as hard knowing you want to stay.”
Atchafalaya tänzelt (als Revanche für Love Is a Canyon) harmonisch sanft mit Noah Cyrus und Streicher-Arrangements in die wundersame Musical-Welt des Alt Country-Broadways, wo auch It’s the End of the World als hymnisch beschwörende Geste seine theatralische Herrlichkeit nicht ganz zu fassen bekommt. Auch das melancholische My Side of the Mountain bleibt – als versöhnlich gezupfte Einkehr über den melancholisch texturierenden Flächen dahinter – bis zu seiner unaufgeregt pfeifenden Nonchalance auf eine eher unverbindliche Weise eingängig.
Nach Permanently Lonely (sowie der Christmas-Single Happy Trails) zeigt die Qualitätskurve für den Musiker Daniel Pitout durch Appaloosa jedenfalls für tolle 25 Minuten weiterhin zurück nach oben.


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