Rip Van Winkle – Blasphemy

von am 15. November 2025 in Album

Rip Van Winkle – Blasphemy

Robert Pollard hat neben drölfzig Guided By Voices-Alben auch noch Zeit für neue Projekte, wie The Grand Rapids EP 2024 gezeigt hat. Mit Blasphemy folgt nun das offizielle Debütalbum von Rip Van Winkle.

Zusammen mit Gitarrist Ben Perry, Bassist Joe Patterson und Drummer Jason Short entfernt sich der 68 jährige dafür nicht wirklich vom Trademark-Sound seiner Stammband. Allerdings zeigt der rumpelig angerissene Indie Rock von Rip Van Winkle nicht nur in Shit-heel Man oder By the Water auf ziemlich schmissige Weise eher Interesse an den Pixies, The Wire und anderen Helden, als es bei Guided By Voices der Fall ist.
Zwar hat das Quartett dabei innerhalb von 28 Minute Spielzeit immer noch viel Zeit für Unsinn: Der Ohrwurm Union mutet beispielsweise wie ein Duett mit besoffenen Chipmunks am Lagerfeuer an oder der Walzer This Is My Thriller setzt sich mittendrin kurzerhand zum Amüsement aller ans Klavier, um ziellos zu klimpern, derweil gerade das halluzinogene St. George oder A Discussion Amongst Toads inmitten vieler loser Fäden betont fragmentarisch und skizzenhaft bleiben.

Allerdings sind die Songs auf Blasphemy (gerade in Relation zum Kurzformat-Debüt von Rip Van Winkle) deutlich weniger impulsiv improvisiert Spontanitäten und haben so viel Hand und Fuß, wie das Pollard wohl überhaupt in den Sinn kommen kann – was wiederum mehr Auftrittsfläche für all jene bedeuten könnte, denen Guided By Voices irgendwann mangels Griffigkeit einteilt sind.
Ihnen dürfte der Hardrock von Pool Hall Tactics (der ein 08/15-Riff mit so viel Charme ausstattet und dann dem Live-Flair auch noch ein luftiges Drum-Solo spendiert) in die Hände spielen und die Akustikballade Six Black Horses gefallen, die letztlich von der ganzen Band sinister abgeholt wird. A Mirror Off klingt wie Bowies Pablo Picasso, wenn Eddie Vedder es mit rumpelnden Slackerpunks umrissen hätte. Quiver and Quill beginnt zwar mit einer irritierenden Gedicht-Orgie, treibt dann aber einfach ziemlich schöne Indie-Melancholie zur Beinahe-Hymne nach vorne und in Snakes With Human Heads poltert die Percussion untrüglich um eine nette Hook. Das alles versetzt mit schroffer,  klappriger Ungeschliffenheit direkt zurück in Pollards 00er-Jahre, zu Circus Devils, Airport 5 und Go Back Snowball.

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