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Rose McGowan – Planet 9

Rose McGowan - Planet 9

So notwendig, wie das das Jack White-würdige Augenkrebs-Artwork in seiner pseudo-ikonischen Selbstüberhöhung ästhetisch ist: Rose McGowan legt ihr Artpop-Debütalbum Planet 9 nach 2018 einfach noch einmal vor.

Dafür hat die Hollywood-Schauspielerin die Trackliste neu sortiert und zwei Songs ausgetauscht (Daniel Song sowie For You Only sind raus, dafür sind Rise und We Are Free neu mit an Bord) was zumindest in der zweiten Hälfte der Platte nun nicht nur für einen stimmigeren Fluss sorgt, sondern auch narrativ Sinn macht.
Abseits davon hat Planet 9 jedoch all seine Schwächen konservieren können: McGowan mag eine prominente Person im Zuge der MeToo-Bewegung sein, als Musikerin bewegt sie sich jedoch an der Grenze zum Fremdscham vollkommen talentfrei – die versammelten 40 Minuten kommen weitestgehend unangenehm unbeholfen und erzwungen nahe der unfreiwillig dilettantischen Selbstparodie daher. Die prätentiös aufgesetzte, hölzerne bar jeglicher Emotionalität gelieferte Performance von McGowan ist dabei mindestens ebenso problematisch wie die identitätslos am Reißbrett konstruierte Musik.

Das verirrt sich mal ziellos im Missverständnis aus wummernden Club-Ambitionen und plakativem Brechstangen-Trip Hop samt einer bis in den Rap stolpernden Spoken Word-Darbietung (Canes Venatici), und nimmt dann einen 08/15 Beat aus den 80ern, zu dem McGowan mystisch zu hauchen versucht (Sirene). Now You’re Here könnte Grimes-Pop sein, sofern man jegliche Kreativität und Inspiration subtrahiert, bevor auch das stampfende We Are Free als billigstes Imitat seine Melodien aus der Wühlkiste bezieht und Oberfläche vor Qualität stellt, während das Instrumental Rise den Bombast aus der Konserve nicht über das bescheidene Niveau einer eindimensionalen Tanzflächen-Skizze weit hinter Moroder und Carpenter Brut heben kann.
Am ermüdendsten gerät Planet 9 dennoch mit Green Gold, wo McGowan melodramatisch-bedeutungsschwer zu etwas zu flüstern versucht, das eine erhebend Klavierballade sein hätte sollen – was sich an sich gefühlt bereits ewig zieht, bekommt eine beinahe sadistische Note, wenn ein willkürlich auftauchender Synth-Beat das Szenario auch noch auf die brutal banale Langweile von 10 Minuten Laufzeit streckt.

Nur weniger gravierend kurz erstreckt sich danach Lonely House im retrofuturistischen Baukasten, dass vom esoterischen Space-Kauderwelsch zum Martyrium von MeToo gezirkelt wird. Was da spätestens zu Zeitpunkt authentisch und was pure Kalkulation ist, muß jeder für sich entscheiden – fest steht nur, dass McGowan grottenschlecht, weil ohne Variation oder fesselnde Intensität rezitiert.
Dass es derweil durchaus Gefilde geben, die den limitierten Fähigkeiten der 46 Jährigen entgegenkommen würden, zeigt alleine Origami, das (trotz nerviger „Origami that shit, baby“-Hook) in seiner hypnotischen Reduktion durchaus Charakter zeigt. Worauf man nicht zwangsläufig aufbauen kann – aber dies einer weiteren Neuauflage eines Ed Wood‘schen Debütalbums (minus des trashigen Unterhaltungswertes) absolut vorziehen würde.

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