Serpent Column – Aion of Strife

von am 19. Januar 2026 in Album

Serpent Column – Aion of Strife

James Hamzey geht auf Distanz zu den Wurzeln von Serpent Column – und damit wohl auch auf direkten Konfrontationskurs mit seiner Fanbase – indem der Sound von Aion of Strife schon fast absurd roh am Lofi aufgerauht wird, während die Haltung des melodischen Black Metal immer triumphierendere Gesten erzeugt.

Auch wenn die Songlängen an sich wieder auf handlichere Längen geschrumpft sind, ist Aion of Strife in vielerlei Hinsicht die radikale Fortsetzung und Übersteigerung der so polarisierenden Serpent Column-Wiederbelebung – respektive Neuerfindung – Tassel of Ares von 2024.
Während die wie in einer entrückten, Paralelldimension vage eingefangenen, gehaucht keifenden Vocals von Mike Tibbits höchstens fauchende Ahnung weit im Hintergrund des Mix sind, ohne eigene Physis und rein ästhetische Textur-Komponente des grieseligen Lofi-Klangs, fungiert das Songwriting als rein unterstützender Abenteuerpielplatz für möglichst vogelfreie Achterbahnfahrten der Gitarre, die als dominanter Leithammel ausgeladen in jede Ecke der Platte rifft und gniedelt – ein bisschen so, als würden wir uns in einem hymnischen Black Metal-Äquivalent des ersten Fang Island-Albums befinden.

Dass die Unterteilungen des Materials dabei nach dem fabelhaften Start Phenomenology of the Assault eigentlich obsolet werden, stimmt bis zu einem gewissen Grad. Mag sich ein Scherzo for a Dead Republic zum Einstieg beispielsweise auch kontemplativer schwelgend geben und erst spöter losfetzen, verwandeln sich die Nummern wie  ein sich progressiv schlängelnder Leviathan in eine gleichförmige Abfolge aus Momenten, die in der Wahrnehmung zu einem passiven Strom zu verschwimmen drohen.
Klar: Aion of Strife ist mehr als alles andere seinem übergeordneten Konzept verpflichtet. Doch die Kompositionen könnten bisweilen gerne einen Schritt zurücktreten und das größere Ganze in den Blick nehmen, pointiertere Auflösungen suchen.

Auch richtig ist, dass sich die Platte über Flight of the Last Gods (in dem trotz der voranschreitenden Evolution die unverkennbare Serpent Column-Handschrift erkennbar bleibt und epische Züge annimmt) sowie dem in die Atmosphäre abtauchenden Always Is the Kairos (Ἐν ἡμῖν καὶ οὐσία ἀδάμας) samt seinen fast schon im Americana durchatmenden Passagen die Dichte willkommen variiert wird – und sich Aion of Strife weit abseits der Projekt-Wurzeln auch abseits seiner faszinierenden, euphorisch-nihilistischen Aura bestechend entfaltet.
Was den Graben zum puristischen Teil der Hörerschaft nur noch weiter aufgerissen haben dürfte. Darauf deutete erst (rund ein Jahr, nachdem die Artwork-Diskussionen bei Theophonos endgültige Risse zwischen dem Künstler und Teilen seiner Hörerschaft aufgetan haben) eine wenige Tage nach dem Release nachgeschobenen Erklärung hin („I was blind to the growing rift between me and many of my own listeners. I don’t think I will ever be going back to those earlier styles, but those records exist and others have picked up where I left off“) bis sich die Ereignisse einige Stunden später sogar noch überschlagen und Hamzey kurzerhand frustriert den Stecker gezogen hat: „It is over (for another x – ∞ years). Farewell, – JH.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen