SSIO – Alles oder Nix

von am 24. Dezember 2025 in Album

SSIO – Alles oder Nix

Ssiawosch Sadat blüht als lebendes Gimmick SSIO wieder voll auf: Mit dem Comeback Alles oder nix fährt er nicht nur eine der geilsten Promo-Schienen überhaupt, sondern klingt auch wieder deutlich hungriger und bissiger als zuletzt.

SSIO-Alben sind wie drei Jahre Dagestan“ weiß der 36 jährige und packt sein fünftes Studioalbum wie einen längst auserzählten Witz an, bei dem die Pointe mit MMA-Punch vielleicht sogar besser denn je sitzt: Nach zwei Alben, in denen sich neue Perspektiven eher als Sackgassen erwiesen,  kehrt Alles oder nix – den Tribute-Titel als ideale Steilvorlage für die Attitüde nutzend und ihn in Keine Option mit Xatar-Feature zum würdigen Epitaph erhebend – in Form eines unbedingten Oldschool-Fanpleaser ohne große Risiken zu den Wurzeln des Rappers zurück.
Die Beats sind praktisch flächendeckend exzellent und setzen gefühlt auf mehr  G-Funk und Westcoast-Feeling – siehe etwa das fette Titelstück, die Lounge Ok, den legeren Befehl Tut den Song in eure Playlist und macht viele TikToks („Bin umgeben von Hyänen und Straßenköter/ Du isst ein’n Yaprak-Döner mit Markus Söder“) oder dem mit religionspolitischen Abgang machenden In meinem Block -, die Produktion ist wie im wummernden Dein Leben ist gefickt zelebriert immer fett auf den Punkt gebracht.

Der gewohnt superbe Flow von SSIO sitzt dazu wieder makellos, die Texte sind – inhaltlich natürlich, wenn nicht auf die satirische Meta-Ebene blickend, polarisierend – meistens extrem unterhaltsam pointiert und nicht nur im Fassaden-Bruch als ehemaliger BWL-Student dicke Eier zur Schau und die Konkurrenz in den Schatten stellend: „Auf meinem Konzert zeigt meine Fanbase Titten/ Deine Fanbase fragt nach ’nem Plant-based Chicken.
Deine Nuttenmutter kriegt keine Aufmerksamkeit/ Und muss blasen, damit sie sich ein AUX-Kabel leiht/ Auch wenn du VVS-Chains und paar AMGs hast/ Deine Persönlichkeit ist ein Alaska-Seelachs/ Auch wenn du hundert Ghostwriter hast, ich ficke dein’n Arsch/ 365 Tage lang, ich finde kein Maß/ Denn bei Beef gibt’s kein’n Rap, sondern Uzi-Schüsse/ Bis du vor Angst schwimmen lernst in deiner Urinpfütze/ …/Kack ab, du hast dein Reihenhaus verspielt beim Poker?/ Und kriegst nicht mal ein Kredit für ein’n Lidl-Toaster?“ lehnt sich Kack ab! als gerade rückende Perspektive zurück.

Wo die Highlights so mit jedem Durchgang wechseln, sich Hits wie Fentanyl Vine die Klinke in die Hand geben, und alleine schon das K.I.Z.-Gipfeltreffen Ich Ich Ich Ich Ich („Keine Kinder, doch ich fahr‘ ein Lastenrad für mein’n Schwanz“) ein  Juwel des Proll-Kinos darstellt, macht SSIO hinter dem genitalsaxofonierenden Intro Warum so lange weg? allerdings auch nicht alles restlos richtig.
Wo die gesungene Hook im funky Saxofon-Relaxer Sei mal ehrlich absolut klar geht, geht die Sache in CEO daneben. Außerdem schwächelt Alles oder Nix im letzten Viertel mit den nur okayen Trio aus Tam Psychopath, Google Translate (mit Schwesta Ewa sowie SAMY) und Seepferdchen Pass ein bisschen, wird redundant. Was aber schon durchgeht, sobald Ich bin raus und Geh nachhause das Niveau wieder auf den restlichen Level heben und eigentlich nur die Frage offen lassen, wie weit diese Machtdemonstration im hauseigenen SSIO-Ranking mit ein wenig Abstand letztlich das Treppchen nach oben steigen wird.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen