Stöner – Stoners Rule

von am 25. Juli 2021 in Album

Stöner – Stoners Rule

Wenn jemand sich einen derart behämmerten Bandnamen zulegen darf, dann die Genre-verdiente Achse aus Brant Bjork und Nick Oliveri. Das macht den Stöner-Einstand Stoners Rule allerdings noch zu keinem Desert Rock-Pflichtsieg.

Dass sich die beiden Ex-Kyuss-Wüstensöhne noch einmal zusammen, um eine Platte aufzunehmen, die sich praktisch exakt entlang der Erwartungshaltung bewegt, hat acht Jahre nach Vista Chino zwar selbst mit Fanbrille und den vielversprechenden Live in the Mojave Desert-Sessions (die übrigens mit der voluminöser röhrenden Produktion entlang der praktisch selben, nur anders geordneten Tracklist den eindeutigen Vorzug vor den Studioversionen bekommen) ohnedies nur für eine vorsichtige Euphorie gesorgt, führt nun aber selbst mit gedrosselten Erwartungshaltungen zu einer latenten Ernüchterung.
Dass beginnt im Speziellen schon damit, dass Oliveri (als erhoffter Impulsgeber für den zuletzt nur noch recycelnden Bjork) seinen gefürchteten Wahnsinn diesmal über knapp 43 Minuten bestenfalls angedeutet im Hintergrund hält (nur das die Zügel endlich locker aufs Gaspedal schnalzende Evel Never Dies kommt als Semi-Punker noch am ehesten dem wilden Naturell des glatzköpfigen Mondo Generator-Mannes entgegen, ändert Tempo und Dynamik auch gut, bleibt kompositionell symptomatisch für den Rest der Platte aber halt auch komplett egal), zementiert sich jedoch vor allem dadurch, dass das Stöner’sche Songwriting an sich einfach nicht in der A-Liga des Genres stattfindet.

Stoners Rule agiert nach allen von Björk und Oliver mitaufgestellten Regel der Szene, ist dabei aber eher abgehangener Komfort als zwingende Inspiration. Der Autopilot agiert zu oft wie im sedativen Routineprogramm, ein Motiv genügt zur losen Verfolgung. Die Substanz ist so verdammt durchschnittlich, zuverlässig und solide – zu bemessen vielleicht alleine schon an der Tatsache, dass dem um Drummer Ryan Gut ergänzten Duo mit Leithammel Bjork kein einziges wirklich erinnerungswürdiges Riff in einer für markante Gitarrenarbeit prädestinierten Umgebung eingefallen ist.
Dazu fehlt der Aufarbeitung sowieso oft der Biss, die Performance lehnt sich stellenweise enervierend in den drögen Müßiggang, mehr als alles andere liegt das am Gesang von Bjork. Wo die Rhythmussektion insofern zwar eine an sich herrlich organische Grundierung bietet, wächst das Gesamtwerk einfach nicht an den Rahmen seiner Möglichkeiten heran (geschweige denn darüber hinaus).
Dabei hätte sich hieraus (mutmaßlich mit einem Kreativkopf als griffigen Reibungs- und Gegenpol zu Oliveri und Bjork, der den Fokus auf zwingende Momente geschärft und den Songs gleichzeitig interessantere Spannungsbögen und Entwicklungsspielraum gegeben hätte) durchaus eine mehr als nur durchschnittliche Platte im archaischen Minimalismus destillieren lassen. Nur finden so, auch durch die Ägide von  Yosef Sanborn, selbst die vielversprechendsten Szenen nicht wirklich zum Punkt.

Rad Stays Rad rumort etwa schon zum Einstieg herrlich dreckig. Der Groove, der grandiose Sound und das Feeling generell holen einfach sofort ab. Allerdings singt Bjork frustrierend hüftsteif, der Song grummelt lässig und entspannt ohne dem Drang zum Klimax dahin, bleibt im ersten Gang mit angezogener Handbremse ein haltloses, mäanderndes Versprechen um seine Hook: man wartet immer auf den Funke, der die Lunte entzünden könnte, aber da entsteht einfach keine Gefahr, kein packendes Momentum jenseits des legeren Grasgeflüsters.
Auch im heavier drückenden, flott den trockenen Staub aufwirbelnden The Older Kids (das bisher übrigens trotzdem weitaus weniger träge gespielt wurde) pendeln Stöner im Leerlauf um eine griffige Idee, bevor sich das absolut (natürlich!) cool-bluesige Own Yer Blues durch einen so simpel wie banal oszillierenden Refrain selbst sabotiert – zum Glück neigt der Song irgendwann entspannt zum zurückgelehnten Instrumental-Jam mit ungeniert gröhlenden Heulern. In Nothin‘ klingt Björk endlich leidenschaftlicher, wie ein abgehalftert Tom Jones, nur gibt das dem archetypisch brummenden, komplett austauschbaren Baukasten-Stück alleine keine Essenz.
Erst zum Ende hin beginnt der der MO der Platte besser aufzugehen, wenn der groovende Wahwah-Rausch von Stand Down schmissig, lässig und entwaffnend in den Bauch geht, kompetent und kompakt, knackig und effektiv – und der geschmeidige Heavy Psych Tribe / Fly Girl sich über primär unterbewusst fesselnde 15 Minuten nonchalant als weitere Variation der wenig variablen Einfälle treiben lässt.
Wirklich gut ist das niemals schlechte Stoners Rule auch in dieser Phase nicht geraten, doch wirkt die Platte hier endlich weniger so, als hätten Stöner das Material zu hastig mit ästhetischer Meisterhand ohne jeden notwendigen Reifungsprozess zwischen Jam-Tür und Mojave Desert -Angel eingespielt.

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