The Antlers – Blight
Peter Silberman und Michael Lerner setzen – nach einer dokumentierten Okkervil River-Koop-Tour – mit Blight wieder auf eine klassischeres The Antlers-Flair, als es das Comeback Green to Gold 2021 tat.
Ein Umstand, der die Hospice-Basis unter den Fans glücklich machen sollte, es paradoxerweise aber subjektiv auch umso schwerer macht zu ergründen, weswegen Blight für einen selbst emotional jedoch gerade nicht jene ergreifende Wirkung erzeugt, die angesichts der Ausrichtung zu erwarten wäre. Vielleicht, weil The Antlers ähnliche Gefühle mit eben ihrem 2009er-Meisterwerk und dem kaum schwächeren Familiars 2014 bereits nahezu perfekt gependelt haben, derweil Burst Apart (2011) und eben Green To Gold durchaus frische Impulse abseits der Komfortzone zu setzen verstanden?
Wirklich falsch macht Blight jedenfalls nichts. Es fehlt den 45 Minuten höchstens an jenen Gänsehaut erzeugenden, überwältigenden oder erschütternd ins bodenlose stürzen lassenden Momenten, die The Antlers bereits in ihrer Diskografie vorweisen können.
Auf Nummer Sicher gehend nimmt jedenfalls auch das siebte Studioalbum der Brooklyner ausgezeichnet in den Arm und führt durch die Umgebung um Silbermans Heimstudio, den Klimawandel beobachtend und die eigenen Gefühle zu reflektierend.
Gleich Consider the Source setzt dafür absolut typisch auf ein behutsames Klavier und sanftmütigen Gesang, der ebenso zerbrechlich wie wohlig und tröstend wie traurig ist. Irgendwann begleitet Lerner Silverman mit schunkelnder Beat und die Nummer schafft es in diesem Drive irgendwie noch nostalgischer und schöner zu werden, gleichzeitig melancholisch und erhebend. Die Ruhe und der bedächtige Raum der Produktion sind essentiell, während das Geschehen hingebungsvoller wird, wiewohl still bleibt. In Pour zupft die zwölfsaitige Gitarre eine genügsam schreitende Andacht – Bass, Percussion und Klavier agieren später so markant, aber extrem sparsam akzentuiert in diesem enigmatisch tänzelnden Reigen voll ätherisch verträumter Anmut.
Carnage gibt sich mit Rhodes einem somnambulen Groove in Zeitlupe hin. Eine eklektische Gitarre heult, die Drums scheppern. Unendlich soft – aber im Kontext ist das praktisch Rock. Und das direkteste Ansetzen eines Momentums. Radikaler bricht Blight nicht aus seinen Verhaltensmuster, schattiert seine Facetten aber gerade im Mittelteil durchaus. Das Titelstück plätschert mit maritimer Geduld über das jazzige Ambiente mit dezentem Flow in eine Lounge, wo es wie ein elektronischer Score-Remix in verhuschter Trip Hop-Aura wirkt, derweil Something in the Air als aus der Zeit gefallenes Märchen schippert, das sich dann in einem grieseligen Ballsaal anachronistisch dreht.
Deactivate zupft als esoterischer Traum gehaucht in die Nacht, wo das Schlagzeuger feine Tupfer setzt, und das liebenswert klampfende Calamity ist mit seinem niedlich rumpeligen Rhythmus eine Art Revue im kleinsten, intimen Rahmen. Lerner scheidet bereits immer schemenhafter aus dem Fluss und bewundert (das ideal betitelte Doppel aus) den ergreifenden Acapella von A Great Flood mit seinen subtilen Stimm-Effekt a la Bon Iver aus dem Off, bevor Silverman Blight mit They Lost All of Us einen reinen Klavier-Epilog im Naturalismus beschert.
Ob dieser versöhnlich mit sich im Reinen liegt, oder sich mit resignierendem Wehmut – im wahrsten Sinne die Sprache verschlagen habend – von den Gegebenheiten der Realität verabschiedet, bleibt dabei offen.


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