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The Saxophones – Eternity Bay

The Saxophones - Eternity Bay

More Songs of the Saxophones, oder abermals zärtlich-schüchterner Slow Core-Pop, zaghaft umgarnend: Dass The Saxophones mit Eternity Bay ihr Debütalbum praktisch noch einmal aufgenommen haben, dafür kann man ihnen nicht böse sein.

Immerhin waren bereits Songs of the Saxophones (2018) sowie auch die EP Singing Desperately Suite (2019) wunderbar leisetretender Ohrenbalsam, an dem man sich (auch wegen der wattierten Bissfertigkeit) kaum satt hören konnte.
Wenn das Ehepaar Alexi Erenkov und Alison Alderdice (hier wieder ergänzt durch Richard Laws am Bass) also für ihr Zweitwerk Sätze wie „It’s so easy to stay where we are; it’s a miracle anything ever changes“ zu Protokoll gibt, ist damit dann auch vielleicht primär die Geburt des zweiten gemeinsamen Kindes gemeint. Sie lassen sich jedoch auch insofern auf Eternity Bay in dessen Aufgabe mit „fusing a physical place with a spiritual sense of time“ übertragen, indem sich trotz einer klaren Überraschungsarmut ein nur unwesentlicher qualitativer Abfall im Songwriting bemerkbar macht, dafür in der Tiefenwirkung aber tatsächlich ein klein wenig mehr Ambition und Sicherheit der Ausschmückungen erkennbar ist.
Auch die neuen 32 Minuten der Band klingen also, als hätten Cigarettes After Sex auf einem Sommerurlaub mit Whitney die unbeschwerte Romantik für sich entdeckt. Und wenn ein Song deswegen mittlerweile New Taboo heißen mag, sogar butterweich stampft und die Texturen vom florierenden Folk bis zu Synthie-Schwaden verwehen lässt, sich aber leider noch in die Höhe streckt, wenn eigentlich längst alles gesagt ist, dann ist das weder Neuland für die Saxophones und deswegen auch nicht versaut, sondern betörende Soft Love.

Lamplighter trägt also einen fabelhaft assoziativen Titel in die Imagination, ist der erste Blick in eine gegenwärtige Vergangenheit durch eine Lavalampe betrachtet: Verträumte Gitarren begegnen einem Vibraphone, einem Saxofon, Flötentönen; das Ambiente ist typisch entschleunigt, nostalgisch, folgt optimistisch verliebt der Melancholie. Man kennt den MO der Band, ist unmittelbar mittendrinnen und gerne umspült.
Eine besonders minimalistisch-fragile Nummer wie Forgot My Mantra könnte da bereits ein Windhauch in sich zusammenstürzen lassen, die filigran überlegte Percussion ist also vor allem aus liebevoller Verbundenheit dabei. Das leicht tropical angefunkte Take My Fantasy klingt wie eine direkte Reminiszenz an No Woman, obgleich Alderdice verschwommen im Background an das Mikro tritt und besonders smoother Jazz gezeigt wird.
Der abschließende Titelsong bedeutet selbst in diesem Kontext noch mehr Langsamkeit, Zurückhaltung und Schönheit – als hätte Brian Wilson eine in der Schwebe hängende Liaison zwischen Kurt Wagner und Low inszeniert: Ausgang ungewiss, die Tragweite der Glückeligkeit wird sich erst erweisen.

Dass sich Eternity Bay irgendwann trotzdem in dieser unverbindlichen Zwanglosigkeit im Hintergrund verläuft, angenehm unspektakulär nebenbei über die Strände der West Coast plätschert und sein im Hall abgedämpftes Spiel praktiziert, ist kein Drama – im Grunde gar ein willkommener Wirkungsbereich.
Anymore ist immerhin nichtsdestotrotz eine sonnige Zeitlupe, während es fraglich bleibt, was es aussagt, dass ein 92 sekündliches, psychedelisch aufgelöstes Zwischenspiel in Skizzenform wie Zendo beinahe das selbe Gewicht erreicht, wie eine vollwertig ausformulierte Komposition der Saxophones. Flower Spirit bietet dafür eine zauberhaft trillierende Hook im gefälligen Mäandern und anderswo wäre das Finale der Nummer wohl ein Jam geworden – hier ist es ein Lächeln mit geschlossenen Augen -, bevor Living in Myth charmant die Tonleiter hinabklettert, aber drumherum doch „nur“ ein weiterer guter Standard bleibt, in dessen verinnerlichter Stimmung sich auch das im Kreis schwofende You Fool verliert.
There’s a buoyancy to this record“ interpretiert Erenkov über diese Momente hinaus den flach gehaltenen Spannungsbogen und hat in den Nuancen durchaus Recht, soviel Sympathie erwirkt für den Moment auch eine Aufwertung zwischen den Punkten liegend. Ob man deswegen allerdings noch ein drittes Album dieser Wesensart von den Saxophones braucht,….diese Frage stellt sich dann in der Eternity Bay vorerst gar nicht.

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