Thirteen Days – Goodbye to Yesterday

von am 17. September 2014 in Album

Thirteen Days – Goodbye to Yesterday

Auf Wiedersehen Vergangenheit, Hallo Zukunft. Das mögen sich Thirteen Days aus Klagenfurt in den letzten Monaten und Jahren einige Male gedacht haben: Management-Probleme, die Hälfte der Band verabschiedete sich nach und nach und wurde durch Mitglieder der steirischen Kombo Days in Paradise ersetzt. Zudem wurde dem Power-Poppunk früherer Tage zugunsten eines rockig-alternativen Sounds abgeschworen. Herausgekommen ist ‚Goodbye to Yesterday‚, ein ambivalentes Album.

Thirteen Days als Nobodys in der heimischen Musikszene zu bezeichnen, wäre ähnliches Understatement wie ihre eigenwillige Promo Mail: „Ganz ehrlich, THIRTEEN DAYS haben ein Problem: Ihre Musik ist nicht modern, nicht zeitgeistig genug. Alternative/Punk hat eben momentan keine Lobby. Vor noch 10 Jahren hätten nicht wir dich angeschrieben, sondern irgendein fettes Major-Label. (..)„. Mit über 200 großen und kleinen Shows, vom Zeltfest bis zur Bühne des mittlerweile auf Eis gelegten 2DaysAWeek Festivals, und ein Haufen spannende Supportshows haben sich Thirteen Days zumindest in Österreich einen Namen gemacht.

Thirteen Days bewegen sich genretechnisch irgendwo im weiten Feld zwischen Broadway Calls, den Donots, und den Menzingers, die nun mal den Referenzwert des Genres, das man weitestgehend als Alternative-Pop-Punk bezeichnen könnte, darstellen. Durch die Mitarbeit von Green Days Producer Chris Dugan erkaufen sich Thirteen Days ein Produktionsniveau, das in Österreich seinesgleichen sucht und vielfach nicht vermuten lässt, dass es sich hier um eine Band aus dem mehr als beschaulichen Klagenfurt handelt. Dadurch müssen sie sich allerdings auch dem Vergleich mit obengenannten Genregrößen stellen und der fällt oftmals nicht zu ihren Gunsten aus. Ohne Zweifel, Thirteen Days verstehen sich auf ihr musikalisches Handwerk, sind ausgezeichnete Musiker, die sich nicht verstecken müssen. Was sie instrumental auf die Platte bringen, hat eindeutig Hand und Fuss. Es gibt in diesem Genre zweifellos Bands, die sich weniger antun. Die internationale Produktion tut da ihr Übriges, lässt aber manche Titel um die Spur zu sauber und klinisch wirken. Etwas mehr Rock’n Roll und Dreck würden einigen Songs gut zu Gesicht stehen.

Exemplarisch dafür ist der knackige Einstieg ‚Always‘, er markiert so etwas wie dem manifestierten Übergang zwischen den Vorgängern ‚Start it Now‚ und ‚Love, Fear and Fire‚ zu ‚Goodbye to Yesterday‚. Der Song ist durchaus noch im poppigen Sound der Vorgänger gehalten und versucht so die Brücke zum neuen Material zu schlagen. So hat die Nummer auch durchaus gelungene Momente, die jedoch durch Texte wie „There is a Light/ it shines bright that no one could ever hide/ nothing to lose/ This is the way we choose“ konterkariert werden. Aber auch hier fehlt der letzte Kick, der das Stück vor sich hertreibt. Insgesamt bleiben über die ganze Scheibe zwar einzelne Momente wirklich im Gehör, aber leider kein Stück in seiner Gesamtheit.

Nomen est Omen, soviel ist sicher. Den vier Jungs aus dem Süden Österreichs merkt man vom ersten Akkord an, dass sie bemüht sind, der Vergangenheit auf Wiedersehen zu sagen und nach vorne zu schauen. Damit ist auch schon der thematische Grundton ihres neusten Silberlings umrissen: euphorische Aufbruchsstimmung.

Womit man schon auf ein weiteres Problem von ‚Goodbye to Yesterday‚ stößt: Der latenten Überraschungsarmut, die weite Teile des Albums im Griff zu haben scheint, irgendwie wiederholt sich die Euphorie und die Aufbruchsstimmung. Der durchgängige Flow, der einen durchs Album trägt und von Stück zu Stück trägt fehlt irgendwie. So drängt sich spätestens nach der Hälfte der Stücke die Frage auf: „Aufbruch ja, aber wohin?“. Die Antwort bleiben Thirteen Days allerdings großteils schuldig.

Aber zumindest eine Teilantwort ist dann doch drinnen: Die erste Single ‚Across the Universe‚ ist ein klarer Ausreißer nach oben. Sie ist auch die stärkste Nummer der Scheibe und hebt sich auch aufgrund des Textes (Seems we humans never learned from our past, even today, And our final curtain call is just another nuclear meltdown away) mit  gesellschaftskritischen Touch vom Rest der LP sowie den phasenweise billigen Metaphern („On the Beach /On a Montain„) ab. In dieser Richtung könnte es durchaus weitergehen, hier gibt es klar eine Nische.

Leider gelingt die kontinuierlich herbeigesungene Emanzipation nur phasenweise, zu sehr steckt einerseits das Songwrititing in alten Gewohnheiten fest, zu oft verlässt man sich andererseits auf bekannte Songstrukturen und Gitarrenriffs. Ganz anders verhält es sich bei den treibenden Drums, die vielen Songs den (oftmals vermissten) kreativ- individuellen Touch verleihen und einen Großteil der Platte tragen. Nicht nur einmal hört man hier einen dezenten Biffy ClyroEinfluss durch.

Das, in der Promo angesprochene, Alternative-Element in den Thirteen Days Songs scheint nur selten durch, die poppigen Parts überwiegen. Dass das auch oft daneben gehen kann, zeigt die beliebige Ballade ‚When its over‚ mit platten Lyrics wie „When everything is over/ You can’t change your life anymore.“ Sie fällt wohl in die Kategorie „Jedes Album braucht eine Ballade, also schreiben wir irgendwas„. Sie kann weder mitreißen noch berühren und hinterlässt daher einen eher schalen Nachgeschmack, der mit Abstand schwächste Track des Albums ist ein klarer Kandidat für die Skip Taste.

The Beach‚ versucht sich mit einem rockigerem Intro, das in einen leicht von Bon Jovi inspirierten Gesang hinübergleitet, einer der wenigen stimmlichen Variationen des Albums. Der späte (weitere) Höhepunkt ‚Soundtrack of our Heart‚ versucht sich hingegen als eine Referenz an (vergangene) Punkrock-Wurzeln, legt in Swellers-Manier zügig los und Bassist Patrick  beweist am Mikro, dass es auch härter und schneller geht, allerdings hält die Nummer das Tempo  nicht ganz durch.  Bei ‚Caroline‚ hört man zumindest beim Intro einen klaren Green Day-Einschlag durch.

Alles in allem bleibt aber ein ambivalenter Eindruck zurück, trotz der aufwendigen Produktion wirken viele Songs halbgar und können nicht wirklich zünden. Die phasenweise-teenager liken Texte hinken auch oft hinter den guten Songideen, der guten Produktion und dem technischen Talent der Vier  hinterher, sodass der heraufbeschworene Aufbruch in neue, erwachsene Zeiten nicht wirklich gelingen mag. Dennoch ist es das beste, modernste Album, das Thirteen Days bis dato abgeliefert haben, so kann es durchaus weitergehen. Dass ihre Musik im Moment keine Lobby hat, mag stimmen, aber diese Lobby kann man sich ja in Zukunft noch schaffen.

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