U2 – Days of Ash
„These EP tracks couldn’t wait; these songs were impatient to be out in the world. They are songs of defiance and dismay, of lamentation“ sagt Bono das unmittelbar veröffentlichte Kurzformat Days of Ash.
Während man angesichts der die eigenen Ansprüche relativierenden Qualitäten von Songs of Innocence (2014) Songs of Experience (2017) Songs of Surrender (2023) die Kirche freilich im Dorf lassen muss, was die subjektive Begeisterung angeht, ist schon nachvollziehbar, dass die Iren diese 23 Minuten Musik so schnell wie möglich veröffentlichen wollten.
Nicht nur, weil die fünf Songs mit den Morden an Renée Good, Sarina Esmailzadeh und Awdah Hathaleen als thematische Grundlage (sowie der ambienten Vertonung eines von Adeola eingesprochenen Gedichts von Yehuda Amichai in Wildpeace als einendes Bindemittel) ein aktuelles Statement zur weltpolitischen Weltlage abgeben, sondern auch, weil Days of Ash tatsächlich das beste Material des Quartetts seit No Line on the Horizon (2009) auffährt.
Das beginnt damit, dass American Obituary ein wirklich solider Standard-Rocker ist, der einen auf kantig groovend macht und The Edge mit einem episch gemeinten Figur zumindest wieder prominenter einsetzt als zuletzt, bevor Song of the Future in die die selbe Kerbe schlägt, aber noch lockerer und gelöster um seine catchy Hook tändelt.
Es setzt sich dadurch fort, dass Bono im Highlight The Tears of Things nach dem zurückgenommene Acoustic-Einstieg zur Mitte hin wie sein einstiger Ersatzmann Chris Martin klingt und U2 voller biblischer Verweise mit sehnsüchtiger Geduld in die Breite wachsen. Im atmosphärisch beginnenden One Life at a Time ist die Band sogar noch näher bei den guten Momenten aktueller Coldplay.
Und es endet damit, dass One Life at a Time (mit dem verzichtbaren Massenmark-Multiplikators Ed Sheeran als Gast neben dem Ukrainer Taras Topolya) wie eine banale (und auch am wenigsten Substanz zeigenden) Stadion-Animation der englischen Mainstream-Radio-Kollegen bagatellisiert.


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