Aerosmith & Yungblud – One More Time

von am 25. November 2025 in EP

Aerosmith & Yungblud – One More Time

Wie Aerosmith ihre letzte Europa-Tour pandemiebedingt erst verschieben und  dann komolett absagen mussten, um in Pension zu gehen, tut bis heute weh. Dass sie diesen Ruhestand für eine solide Kooperation mit Yungblud beenden – One More Time, wirklich? -, mindert den Schmerz nicht.

Wobei die EP deutlich überzeugender ausgefallen ist, als es die Erwartungshaltung angesichts der subjektiv sehr überschaubaren Sympathie für Yungblud als Musiker ebenso in Aussicht stellte, wie der One More Time-Vorbote My Only Angel. Denn die Nummer mag schon ein sehr souveräner Ohrwurm-Hardrocker für das Pop-Formatradio sein, dessen infektiöser Refrain auch die toll harmonierenden Stimmen von Dominic Richard Harrison und Steven Tyler in die Auslage hebt.
Er ist aber auch desaströs synthetisch zugekleistert produziert – und eine derart uninspiriert monotone und schlichtweg bocköde Schlagzeugarbeit hat man in diesem Metier womöglich seit Like a Stone nicht mehr gehört. Weswegen die Desert Rock Version der Nummer auch deutlich zu bevorzugen ist.

Aber seien wir uns ehrlich: Dass Aerosmith zu begeistern wussten, ist noch länger her, als die 13 Jahre, die seit Music from Another Dimension! vergangen sind. Und My Only Angel ist dazu auch immer noch knackiger und unterhaltsamer als ein Gutteil der sehr mediokren Solo-Diskografie von Yungblud – seines Zeichens bekanntlich noch seltener mit Shirt unterwegs als die Jungs von Biffy Clyro, aber dafür der große Gewinner von Ozzys Abschiedsshow.
Selbst mit den insofern niedrigen Ansprüchen wird One More Time im weiteren Verlauf zwar nicht Hit-Tauglicher, hält das Niveau aber ansonsten sehr solide und lässt beide Parteien zu Nutznießern einer durchaus authentischen Zusammenarbeit werden.

Problems suggeriert mehr Live Energie im Sound und tritt tatsächlich dynamischer auf, lässt seine Streicher nicht in den Kitsch abdriften, sondern führt die weniger zwingende Hook sogar ein verträgliches Stück weit in den Exzess, nachdem die Bridge das Erbe von Janes Adiction anvisiert.
Wild Woman drosselt das Tempo und lüftet die EP mit Acoustic-Flair samt orientalisch angehauchten Streicher-Arrangements durch (der Mix stellt sogar ausnahmsweise den Bass individuell hervor!), bevor A Thousand Days eine schöne Halbballade ist, die das pompös werdende Panorama gefühlvoll einsetzt. Für einen runden Abschluss der EP wäre damit gesorgt – weswegen das wahllos angehängte 2025er-Update von Back in the Saddle danach zwar noch keinen Fremdkörper darstellt, aber eben ziemlich redundant wird. Zumal das Recycling als einziger Track so wirkt, als wäre er alleine dafür da, um auch dem Backkatalog der Verteranen ein wenig Aufmerksamkeit des jungen Yungblud-Publikums zu verschaffen.

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