And So I Watch You From Afar – Heirs

von am 8. Mai 2015 in Album

And So I Watch You From Afar – Heirs

Vom Sound des hyperaktiv jedweden Fokus sprengenden Euphoriefeuerwerks ‚All Hail Bright Futures‚ scheinen And So I Watch You From Afar noch nicht genug zu haben: ‚Heirs‚ ist zumindest auf den ersten Blick über weite Strecken nur ein Update des Vorgängeralbums, das zwar mit seiner Faszination für die Künste von Neo-Gitarrist Niall Kennedy nicht hinter dem Berg hält, dafür aber mit wahrhaftigen Song-Großtaten.

Auf den zweiten knüpft das Quartett aus Belfast allerdings doch auch wieder deutlichere Bezugspunkte zum selbstbetitelten Debüt und ‚Gangs‚ – sei es mit dem postrockig durchatmenden Zwischenstück im Opener ‚Run Home‚ oder dem knapp dreizehnminütigem Doppel aus Titelsong und ‚Tryer, You‚, die beide näher am klassisch ausgelegten Instrumentalrock der beiden ersten Platten agieren als das restliche, ‚All Hail Bright Futures‚-treue Material. Aber auch darüber hinaus versucht ‚Heirs‚ wieder zu geordneteren Gesamtstrukturen zurückzufinden, fällt nicht derart ruckartig mit allen möglichen Ideen ins Haus und riskiert dafür lieber unentschlossen agierende Bindeglieder wie das ziellos bleibende ‚Fucking Lifer‚, bevor ‚A Beacon, A Compass, An Anchor‚ das kleine Dilemma rund um das Viertwerk der Band ein wenig auf den Punkt bringt.
Heirs‚ verhält sich zu ‚All Hail Bright Futures‚ beinahe ähnlich wie ‚Gangs‚ zu ‚And So I Watch You From Afar‚, ist gar nicht unbedingt ein bedeutend schwächeres Album als sein Vorgänger, hinterlässt aber weniger berauschend, überwältigend und erschlagend, vielleicht sogar ernüchternd: Man meint einfach vieles hiervon bereits vorgesetzt bekommen zu haben, zumeist allerdings in atemloserer, wagemutigerer und spannenderer Ausführung, mit mehr Augenblicken, die furios nach den Sternen greifen.

Dabei hangelt sich ‚Heirs‚ tatsächlich über zahlreiche imposante Genrespagate, verschmilzt in ‚Wasps‚ etwa auf bestmögliche Art die Megalomanie der Flaming Lips mit dem Punch von Torche oder inszeniert in ‚Redesigned a Million Times‚ enthusiatischen Indierock mit den Mitteln des Math und hastet dabei gar noch über unendlich scheinende Truemetal-Soli.
Während aber ‚All Hail Bright Futures‚ vor allem durch sein spielerische Impulsivität auftrumpfte, nähert sich ‚Heirs‚ der übersprudelnden Lebendigkeit überlegter und weniger intuitiv, schlichtweg berechenbarer und deswegen nicht dermaßen atemberaubend spannend: Wo sich And So I Watch You From Afar-Songs bisher in ihren besten Momenten auf dynamische Weise verselbstständigt haben, findet diese rauschhafte Sogwirkung diesmal nur bedingt statt und anstatt mittendrin im rasanten Rollercoaster zu sitzen, sieht man nun anerkennend aber kaum staunend zu, wie die Nordiren zahlreiche altbekannte Loopings vollführen.

Wildes Gitarrengefrickel trifft da immer noch mühelos auf schillernde Metalparts im Popgewand, proggige 70s-Ausflüge auf imposante Tech-Ausritte, feurige Energieausbrüche auf wohlüberlegte Schaltpläne und alleine die vereinzelten Gesangsausflüge stehen der Band auch nach wie vor exzellent, fühlen sich mittlerweile in ihrer ständig gleichen Ausrichtung („Ohohos“ und Stadionchortauglichkeit bestimmen die Melodien) allerdings doch eher wie einer von vielen etablierten Gimmicks an, nicht mehr wie hochinfektiöse Endorphinausbrüche während der Aufnahmen.
Heirs‚ geht damit die unbekümmerte Sorglosigkeit und Scheiß-Drauf-Mentalität des Vorgängers ab, gleichzeitig allerdings auch die In Your Face-Tiefe der Frühphase und kickt auf emotionaler Ebene deswegen auch nicht derart zündend und packend, wie man das eigentlich von And So I Watch You From Afar gewöhnt ist. Ein ‚These Secret Kings I Know‚ muss deswegen beispielsweise unterm Strich auch kaum etwas falsch machen, um sich dennoch den Vorwurf gefallen lassen zu müssen seltsam schaumgebremst zu tönen. Es sind genau diese Momente in denen man zu hören scheint, dass And So I Will Watch You From Afar sich hierfür ein knappes halbes Jahr hermetisch einkaserniert und von allen äußeren Einflüssen logesagt haben, sich nur mit sich selbst beschäftigten. Sich als ihre eigenen Erben zu festigen mag da stilistisch auch reibungslos funktioniert haben – mehr aber leider nicht.

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