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Anna von Hausswolff – Live at Montreux Jazz Festival

2018 hat die (mittlerweile auch als Satanistin gefürchtete) Anna von Hausswolff mit ihrer Band vor Nick Cave & The Bad Seeds am wohl bekanntesten Jazz-Treffen der Welt gespielt – und begeistert. Dies lässt sich nun (weitestgehend) auf Live at Montreux Jazz Festival nachhören.

Dass Anna von Hausswolff live erleben zu können ein absolut unvergleichliches  Ereignis ist, da die 35 jährige das Material ihrer ohnedies schon so brillanten Studioalben auf der Bühne noch einmal in ganz andere atemberaubende Sphären wachsen lässt, sollte längst kein Geheimnis mehr sein. Dass sich diese (körperlich spürbar werdende, fast transzendental nachwirkende) Magie der Bühne jedoch auch ansatzweise auf Tonträger bannen lässt, ist dann eine neue Erkenntnis – die Live at Montreux Jazz Festival eindrucksvoll vorführt. Phasenweise gar nach ultimativen Superlativen verlangend.
Denn die soundtechnisch wunderbar lebendig atmende, räumliche und kräftig eingefangene Performance der (hier stimmlich wirklich unbedingt grandios liefernden) von Hausswolff und ihrer bestens aufgelegten Band zeigt das zelebrierte Material (vier Songs von Dead Magic, zwei von The Miraculous) an jenem 12. Abend im Juli 2018 in bisweilen überwältigende Höhen steigend, macht die Atmosphäre und Intensität der Show auch über drei Jahre später greifbar.

The Mysterious Vanishing of Electra demonstriert seinen aufgelösten Spannungsbogen etwa jenseits des monoton-stoisch schreitenden Swans-Einflusses nun so viel besser, erfüllender erkennbar, auf natürlichere Weise dringlich, bevor Ugly and Vengeful als Epizentrum schon bis zur Mitte hin so viel erhebender beschwörend strahlt, dann nach einem täuschenden Stopp aber mit der spirituellen Schamanistik der Percussion-Dramatik dröhnend und weitschweifend-bedrängend zu einem avantgardistischen Postrock-Monster wächst, das in seinen 20 Minuten Spielzeit keine Sekunde Langeweile, sondern nur pure Extase bereithält.
Källans återuppståndelse zeigt als sehnsüchtiger Western-Ambient das Spektrum von von Hausswolff ebenso, wie das unkonventionelle Booking des französischen Festivals – was so auch für das abschließende Come Wander With Me/Deliverance gilt, dem als Endzeitballade beginnend die Symbiose aus Jam-Rausch und fokussierter Strenge euphorisierend gelingt.
Schade zwar, dass die Publikumsinteraktion und Zugabe Gösta danach (unerklärlicherweise) fehlt, doch ist Live at Montreux Jazz Festival auch so ein beinahe makelloses Freudenfest für Fans: Mindestens essentiell, in seinen besten Momenten gar ikonisch.

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