Oliver
Die Gewalt steckt auf Add Violence, dem Mittelteil einer angkündigten EP-Trilogie, primär in der unterschwellig brodelnden Beklemmung und im subtil unter die Haut kletternden Minimalismus dieser atmosphärisch dichten 27 Minuten.
Eigentlich paradox: Erst der Wunsch von Brian Wilson, nicht mehr auf Tour gehen zu müssen, machte Pet Sounds mitunter überhaupt erst möglich. Ausgerechnet das fünfzigjährigen Jubiläum des die Musikwelt revolutionierenden Beach Boys-Meisterwerks setzt den Kalifornier nun allerdings den Strapazen einer ausgiebigen Konzertreihe aus.
Knapp eineinhalb Jahre nach dem in der Beliebigkeit verschwundenen Offenbahrungseid A Head Full of Dreams legen Coldplay ein Kurzformat vor, dessen zerissene Qualität sich wohl irgendwo bereits in seiner merkwürdigen Veröffentlichungsgeschichte widerspiegelt: Zweimal wurden der Release der Kaleidoscope EP verschoben, obgleich mehr oder minder ohnedies bereits vier der fünf Tracks als Singles vorausgeschickt worden waren.
Da kann Paul Thomas Anderson noch so einnehmende Videos drehen und die hippen Szene-Medien den drei Schwester weiterhin zu Füßen liegen: Mit Something to Tell You liefern Haim diesmal enttäuschenderweise nur noch gleichförmig austauschbaren Herzschmerz-Pop für das Formatradio.
Vielleicht nicht der Soundtrack für alle Lebenslagen, aber mehr als nur ein Kopfkino-Aphrodisiakum vor dem Schäferstündchen: Cigarettes After Sex schmeicheln sich mit einem gleichförmig plätschernden und elegisch fließenden Ambient-Pop/Slowcore-Anästhetikum in verträumte Gehörgänge.
Nicht nur, dass das Wetter diesmal keine Kapriolen schlägt: Im direkten Vergleich zum vergangenen Jahr macht das Ahoi! The Full Hit of Summer - trotz subjektivem Schönheitsfehler - noch einmal alles um das Quäntchen besser, als bereits bei der fulminanten Erstauflage.
Also doch nicht "Not in This Lifetime...": Axl Rose, Slash und Duff McKagan zelebrieren mit ihren Erfüllungsgehilfen auch unter suboptimalen Bedingungen die wohl bestmögliche Rekonstruktion der Faszination Guns 'N Roses - irgendwo zwischen purer Nostalgie-Dienstleistung und nahezu perfektioniert aus der Zeit gerissenem Stadion-Hardrock-Spektakel.
Diese Unseen Forces schweben körperlos als Anachronismus ins Unterbewusstsein: Justin Walter lässt sich vier Jahre nach dem die Ästhetik seines Schaffens neu prägenden Lullabies & Nightmares abermals durch eine nachtschwer schwebende Melange aus leiser Ambient-Elektronik und bläserschwerschwer angedeuteten Jazz-Elementen treiben, hat die Alpträume dafür jedoch weitestgehend zurückgelassen.
Bison ziehen den Sargnagel aus dem vermeintlichen Schwanengesang und erkunden eine neue Ernsthaftigkeit des Seins: You Are Not the Ocean You Are the Patient bringt eine Zeit der Umbrüche für das urgewaltige Metal-Quartett aus Vancouver furios zu Ende.
Sechs Jahre nach Helplessness Blues dirigiert Robin Pecknold seine Fleet Foxes entlang eines immer komplexer werdenden Songwritings bis hinein in den Prog-Folk, findet in den stimmungsvollen Landschaften dabei aber nicht mehr immer den direkten Zugang zum Herzen.


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