Charley Crockett – Age of the Ram

von am 6. Mai 2026 in Album

Charley Crockett – Age of the Ram

Mit Age of the Ram schließen Workaholic Charley Crockett und Produzent Shooter Jennings ihre Sagebrush Trilogie (und womöglich auch den dazugehörigen Major-Ausflug?) ab – in Form eines für sich stehen könnenden Konzeptalbums.

Billy McLane wurde 1963 von Marty Robbins für seine Single Old Red geschaffen – und wurde via $10 Cowboy für einen Song auch von Crockett in dessen Erzählkosmos adaptiert. Nach Lonesome Drifter und Dollar a Day widmeten er der fiktiven Figur nun aber gleich seinen gesamten 16., vielleicht stärker als alle Vorgänger im Western veranlagten Langspieler.
Zumindest weitestgehend, fällt neben der bedächtigen Anmut I Shot Jesse James (als Songwriting-Zusammenarbeit mit Gattin Taylor Grace und Jennings) doch zumindest das wie eine rasante Verneigung vor Willie Nelsons-70er-Phase eilende Me & Shooter als selbstreferentielles Meta-Schaulaufen aus dem restlichen, durch zahlreiche kurze Interludes und Skizzen homogen zusammengehaltenen Rahmen.

Was uns dann auch zur einzigen Schwachstelle von Age of the Ram bringt: durch eine dezent schwächelndes finales Viertel (das aber durch das wunderbar beseelt so friedfertig schippernde Schlussstück Cover my Trail Tonight alleine schon durch die superbe Zeile „I’ve heard ‚em talk of paradise/ But I’ve only known a pair of dice“ geadelt wird) erwecken Crockett und Jennings etwas unverdient den Eindruck, dass die Platte als Ganzes über 45 Minuten bisweilen nicht ideal zum Punkt findet und strenger selektiert hätte werden dürfen, während andere Passagen länger im Inkubator ausreifen hätten können.
Aber gut, das ist ja längst kein exklusives Problem des Albums, sondern eher ein Trademark der Crockett‘schen Diskografie-Vertreter. Zumal sich davor ja einige der mitunter besten Songs des Sagebrush-Zyklus (trotz des klar schwächsten Artworks der Reihe) die Klinke in die Hand geben.

Bedächtig erhebend gleitet Lonesome Dove zum gemütlich zeitlosen Rancho Deluxe (Main Theme) von Jimmy Buffett und holt nonchalant ab. My Last Drink of Wine klimpert dynamisch im Tempowechsel und Fastest Gun Alive ist ein repräsentatives Schaulaufen für all die tollen Melodien und Hooks, die Crockett gepachtet hat – die dürfen diesmal auch durchaus subversiver inszeniert werden, wie das in beschwörender Zeitlupe gehauchte Diamond Belle (Country Boy) so zurückhaltend demonstriert.
Age of the Ram wechselt vor diesem Hintergrund von munter und beschwingten Kurzweiligkeiten (Crazy Woman Ridge) zu minimalistisch schrammelnden Stimmübungen (Sweet Mother Texas als Tribut an Vorbild/ Papa Waylon) und hauseigenen Instant-Klassikern (Kentucky Too Long), bevor sich der stimmige Reigen über die Appalachen (Powder River) und Italo-Sehnsüchte (Border Winds) in der soliden Redundanz verliert (Low Down Freedom von Billy Joe Shaver). Denn dass Crockett und Shooter ja schon vor dem Release des Albums bereits weitergezogen sind, um in Clovis, New Mexico und Jennings’ La La Land ein anderes Projekt aufzunehmen, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen