The Black Keys – Peaches!
Seit der Emanzipation von Danger Mouse sind die Black Keys (auf der damit einhergehend wieder nach oben zeigenden Formkurve) in eine äußerst produktive, qualitativ aber auch unausgegorene Phase ihrer Karriere eingetreten. Dass sie sich in dieser mittels Peaches! einmal mehr durch eine reine Cover-Platte auf ihre Bluesrock-Wurzeln und Idole besinnen, lässt das Fan-Herz höher schlagen.
Der Ansatz, der bereits Delta Kream zum stärksten Album der Band seit Brothers machte, indem Dan Auerbach und Patrick Carney demonstrierten, wohin die Reise des Duos mit der Bereitschaft zur Stagnation – respektive einem unverrückbaren Fokus auf die eigenen Tugenden – gehen hätte können, trägt auf Peaches! nämlich noch verführerischere, zwingendere und auch einfach um das Quätchen bessere Früchte, als bereits vor fünf Jahren.
Hinter dem Artwork von Rückkehrer Michael Carney gelingt dem bratzigen, verschwitzt auftretenden Sound gefühlt ein etwas nahtloserer Schulterschuß zur Frühphase des Ohio-Gespanns, während die zu Eigen gemachte Auswahl an Fremdkompositionen sich mir archaisch unspektakulärer Trittsicherheit nahe der Black Keys-Ideallinie bewegt und mehr Highlights am Song-Sektor zu bieten hat, als sein (mit rund zehn Minuten längerer Laufzeit auch weniger kompakt auf den Punkt findender) spiritueller Vorgänger aus dem Jahr 2021.
Peaches! ist praktisch ansatzlos exakt das Album geworden, das der Instant-Hit You Got to Lose versprochen hat.
Mit tänzelnden Roadhouse-Stompern wie (dem durchaus kürzbaren) Stop Arguing Over Me, das die Basis-Attitüde der Black Keys ebenso wie das munter beschwingte Tomorrow Night mit der massentauglichen Party-Stimmung nach Attack & Release zusammenbringt. Oder knackigen Groovern wie dem kompakten Who’s Been Foolin‘ You. Zügige Schmissigkeiten eben, die durch Songs wie das smooth zurückgelehnte Tell Me You Love Me oder das gut abgehangen Fireman Ring the Bell so smooth zurückgelehnt in stoischer Repetition nach vorne gehend ausbalanciert werden, während vor allem der relaxt zum Jam tendierende Closer Nobody but You Baby den potentiellen Freiraum der konstanten Platte unterstreicht.
Der Umstand, dass Auerbach und Carney sich auf Peaches! meistens weit abseits der kargen Duo-Besetzung ihrer Klassiker bewegen und zahlreiche weitere Musiker an Bord geholt haben, passiert durch die essentielle Destillation der Platte quasi am peripheren Rand des Sichtfeldes – auch wenn sich die Facetten schon oft merklich in die Aufmerksamkeit drängen.
In das heavier drückend flanierende Where There’s Smoke, There’s Fire, das unlängst ja auch Paul Weller inspiriert hat, schleichen sich neben dem Wurlitzer etwa zahlreiche Bläser in das lebendig-lässige Szenario, derweil das bauchige It’s a Dream als zäher Stoizismus eine Mundharmonika-Fieberphantasie wird, und She Does It Right mit souliger Patina die Yellowjackets-Orgel auspackt, derweil viele andere Instrumente wie Harfe, Cowbell oder Piano hinter der Präsenz der Black Keys als Bluesrocker zuerst für die Dichte wichtig zu sein scheinen, dahinter aber eben natürlich eine breitenwirksame, angenehm verdauliche Auftrittsfläche ermöglichen.
Insofern mag der direkte Vergleich mit „früher“ auch nicht ganz fair sein. Doch was man Peaches! vorwerfen kann, ist, dass die kurzweiligen 45 Minuten hier bis zu einem gewissen Grad im Schatten der als Messlatte dienenden Diskographie-Phase von 2002 bis 2006 stehen.


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