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Defacement – Defacement

Schon ungehört sprechen alleine das I, Voidhanger-Gütesiegel sowie das Artwork für diese Platte. Freilich umso besser, dass Defacement diese Zuversicht mit einem starken Blackened Death Metal-Aufguss locker stemmen. 

Genau genommen bringen die Niederländer wenig an den Genre-Tisch, das dort nicht schon von unzähligen Konsorten kredenzt wurden. Weil Forsaken Ahmed (vocals, bass), Mark Bestia (drums) und Khalil Azagoth (guitars) das aber mit einer solchen Kompetenz tun, die eine versierte Technik hinter die rohe und dreckige Ästhetik eines zielstrebigen Chaos stellt, und fesselndes Songwriting ohne Genie bietet, geht das mehr als nur in Ordnung: Dieser trostlose, dunkle Nihilismus erzeugt so verortet eine hoffnungsvolle Wärme und Schönheit, die als Trumpfass der Platte durch das Dickicht von Defacement schimmert.

Dass sich mit dem diesen Glanz explizit betonenden, vierteiligen Limbo-Zyklus ein wechselweise zwischen den regulären Songs platziertes Ambient-Interlude-Geflecht durch die Platte zieht, entpuppt sich als ambivalente Entscheidung. Die kurzen Instrumental-Landschaften sind für sich erstaunlich imaginativ und atmosphärisch, erzeugen als postrockige Flächen klaustrophobische Sehnsüchte mit astraler Weite und funktioniert zudem als Bindemittel und Raum schaffendes Luftholen.
Andererseits strukturieren sie die Albumarchitektur auch zu vorhersehbar und nehmen ein bisschen den Sog aus dem Spielfluß. Dass man ein Defacement-Werk im Stile von Celestite mit offenen Armen empfangen würde, spricht so oder so für sich.

Die Kernkompetenzen bleiben aktuell derweil anderswo, wenn Shattered erst den Disso-Death aus dem garstigen Moor mit röchelnd-growlenden Cave-Vocals zieht, nach der doomigen Einkehr aber vor allem eine hymnisch-erhebende Ader freilegt, auch wenn deren Geste gen Himmel die Endorphine nicht vollends entfesselt. Disenchanted schleudert die Riffs mit besonders manischer Intensität und Dringlichkeit, bis das Kerngebiss des tackernden Blast-Schlagzeuges klingelt. Den Schwenk in den Atmospheric Black Metal nutzt das Trio, um von dort eine subversive Dramatik  zu entführen, die letztendlich
im hirnwütigen Exzess aufgeht. Mit Brendan Sloan (Convulsing) auf der Gästeliste steht jedoch das abschließende Wounded über allem, mit seiner regelrecht sakralen Aura durch die pastoralen Gitarren in der bolzende Gewalt. Dass das in der Luft hängende Ende gerade durch die zuvor eingestreuten Intermezzi besonders abrupt anmutet, ist ein Schönheitsfehler dieser souverän die hohen Erwartungshaltungen erfüllenden (aber nicht übertreffenden) Platte, der dann auch ausnahmsweise irgendwo das überraschende Momentum auf seiner Seite hat.

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