Wolves In The Throne Room – Celestite

von am 10. Juli 2014 in Album

Wolves In The Throne Room – Celestite

Wolves in the Throne Room sind vom Black Metal gelangweilt und gehen den Ulver-Weg: wo früher Blast Beats und rasende Gitarren wimmelten schweben nun sphärische Analog-Synthesizer durch ein drückendes Meer aus interstellaren Ambientsoundscapes.

Der Schitt zu ‚Celestial Lineage‚ und den bisherigen Platten der Weaver-Brüder ist auf den ersten Blick radikal: kein Schlagzeug, kein Gekeife, kein Black Metal. Die wenigen Gitarrenspuren die sich auf ‚Celestite‚ noch finden liegen wie in ‚Initiation At Neudeg Alm‚ eingebettet in psychedelisch schimmerndes, Pink Floyd’sches Keyboardglimmern, verdichten sich in den bedrohlichsten Momenten dieser Reise zu bohrenden Droneklängen ala Sunn O)). Überhaupt ginge ‚Celestite‚ phasenweise sogar als dunklerer Bruder von ‚Terrestrials‚ durch, wenn in sich in die selben 70er-Jahre Captain Future-Vintage Synthieschichten die Black Mountain auch so gerne benutzen  in ‚Turning Ever Towards The Sun‚ nahtlos bedrückende Bläser und trostlose Flötenansätze über gedämpftes Industrialwummern schummeln – weil Wolves in The Throne Room nicht nur den Werdegang von Bands wie Ulver – oder auch Burzum – akribisch verfolgt haben, sondern auch von elektronischen Klangbastlern wie Ben Frost, Emeralds, Popol Vuh oder Tim Hecker erfüllend angefixt zu sein scheinen.

Wolves in the Throne Room schichten mit ähnlichen Mitteln, verbinden Kopfkinoalpträume und malen akustische Szenarien in der Finsternis. Die Dramatik, die sich in Songs wie ‚Sleeping Golden Storm‚ entfaltet hat etwas filmisches, spirituelles und – ja, weiterhin – transzententales; ist hier in ihrer Schlichtheit ein überwältigender Weltraumspaziergänge mit Jon Murphy, in ‚Bridge Of Leaves‚ dafür eine orgelschwangere Totenmesse oder verdichtet sich in ‚Celestite Mirror‚ über einem hypnotischen Bass als leise Avantgarde und den letzten Überresten von Prog-Ahnungen. Die nebulösen, kristallinen Melodien werden dabei niemals greifbar, die Spannungsbögen sind auf unterbewusster Ebene zwingend, schwellen beinahe unmerklich an und ab. Bandspezi, Produzentenbank und Qualitätsgarant Randall Dunn inszeniert den unterschwelligen Rausch dazu regelrecht zurückhalten und unaufdringlich, als epochalen Minimalismus.

Celestite‚ bricht deswegen trotz der eklatanten Kurskorrektur zu ihren Vorgängerplatten notwendigerweise auch weder vollends mit  dem bisherigen Schaffen von Wolves in the Throne Room (Experimente mit Synthesizern ziehen sich seit jeher durch die Discographie der Eigenbrödler aus Washington) noch mit der Verankerung im Grenzbereich des Black Metal: die sinistre, bedrohliche und beklemmende Stimmung die die Band zu kreieren versteht ist trotz anderer Mittel eine ganz ähnliche geblieben, ein dunkles, mediatives Treiben durch 47 imaginative, uferlose Minuten. Das verschieben der Spektren funktioniert bestechend – Wolves In The Throne Room machen als Ambientband vielleicht sogar süchtiger denn je, auch wenn sie ihre Vorreiterrolle dafür aufgegeben haben: der Kurswechsel in den Fussstapfen zahlreicher Vorgänger ist genau genommen kein sonderlich innovativer.
Eine per se wegweisende Platte ist ‚Celestite‚ deswegen auch nur vor der eigenen Haustüre geworden: wo Wolves in the Throne Room bisher ein ganzes Genre weiterbringen wollten schrauben sie nun nur an der Ausrichtung des eigenen Songwritings. Die Stimmigkeit mit der die beiden Brüder und der kongeniale Dunn dabei allerdings zu Werke gehen wiegt jeden Vorwurf der Rückständigkeit spielend auf. Auch im neuen Terrain sind Wolves in the Throne Room absolute Meister darin atmosphärische Klangwelten zu schaffen, eine unter die Haut kriechende Ausstrahlung zu kreieren – ohne die schreiende Frontalität des Black Metal sorgt das Trio nicht nur für ein anderes, sondern gar noch tiefergehenderes Unwohlsein. Woran es Wolves in the Throne Room nach dem Entwicklungsschritt jetzt noch fehlt sind eindeutige, unverkennbar identifizierbare Alleinstellungsmerkmale, die die Weavers aus dem Windschatten der Vorreiter emporheben. Bis dahin konzipieren Wolves in the Throne Room aber bereits jetzt rein instrumentale Gefühlscollagen, die sich in den stärksten Momenten selbst vor den eigenen Idolen nicht zu verstecken brauchen.

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