Depeche Mode – Memento Mori: Mexico City

von am 20. Dezember 2025 in Livealbum

Depeche Mode – Memento Mori: Mexico City

Optional auch als Konzertfilm von Fernando Frías de la Parra erhältlich, ist Memento Mori: Mexico City ein Zusammenschnitt dreier Shows im Foro Sol Stadium, die Depeche Mode im September 2023 auf der Tour zu ihrem rundum tollen 15. Album gespielt haben.

Zwei Dekaden nach dem wohl letzten wirklich essentiellen Studiowerk gehen Depeche Mode live weiterhin immer – auf Tonträger konserviert übrigens in der schönen Regelmäßigkeit von rund fünf Jahren zwischen den jeweilige Veröffentlichungen, während die Songauswahl über weite Strecken der Programme ja relativ deckungsgleich bleibt.
Dass das titelgebende Memento Mori nun mit gerade einmal fünf Songs (nämlich: My Cosmos is Mine, Wagging Tongue, Speak to Me, Soul With Me und natürlich Ghosts Again) in der üblichen, überraschungsarm und routiniert mit viel Klasse dargebotenen Best of-Auswahl vertreten, nicht wirklich in den Fokus rückt, ist angesichts der Qualität des aktuellen Werks schade. Doch wird dieser Umstand hinten raus durch den angehängten Sessions-Epilog aufgewogen.
Bevor es soweit ist, fällt allerdings erst einmal der Sound bzw. vor allem der Mix der Platte ins Ohr.

Memento Mori: Mexico City ist nämlich schon auch eine Demonstration, wie arg dominant und flächig man die sauberen Gesang von Gahan mischen kann, während Gores Backingvocals und mehr noch das Publikum unter Wert verkauft werden.
Jene Szenen, die eigentlich von der Euphorie der Menge getragen werden sollten, bleiben schließlich oft viel zu blass. Gerade das Finale von Everything Counts wirkt etwa nicht mächtig, sondern ernüchternd… leise. Die Animation von It’s No Good verpufft irritierend konsequenzlos, wo rauschender Applaus zu erwarten wäre. Und derweil einzelne Ausnahmen wie der Abgang von Just Can‘t Get Enough schon noch zeigen, wie es ginge, packen auch jene Passagen, in denen die Band von ihrem Frontmann mit frenetisch anfeuernden Rufen auf den Weg geschickt wird, nicht wirklich zwingend, sondern passieren seltsam energiebefreit.
Auch, weil das (die Fan-Kreise ja ohnedies polarisierende, subjektiv aber – bis auf das lahm joggende A Pain That I‘m Used to – sehr gut für die rockigere Live-Umsetzung des Katalogs passenden) Schlagzeug von Christian Eigner zwar eigentlich frontal im Klangbild steht, gleichzeitig aber phasenweise seltsam dünn und kraftlos anmutet. Speziell Enjoy the Silence hat kaum Wumms, ist harmlos und sanft. Gore muss dem kaum zu hörenden Chor der Menge zudem zur Hilfe kommen und der funky Ausflug des unkaputtbaren Evergreens zündet nur bedingt.

Trotz dieser Kritikpunkte unterhält Memento Mori: Mexico City in Summe besser als die Mitschnitte aus Berlin oder der Sounds of the Universe-Reise zuletzt.
Zumal man sich das Beste für den Schluss aufgespart hat – die bereits erwähnten Memento Mori Sessions: vier (allesamt von Gahan gesungene) Songs, die es nicht auf den Langspieler von 2023 geschafft haben, dem dortigen Material tatsächlich aber mindestens (!) ebenbürtig sind.
Survive stampft geduldig und atmosphärisch mit Sanftmut, Life 2.0 pulsiert als friedlich träumende Nostalgie mit Effekten auf der Stimme, die auch Mogwai gefallen werden, und den Kraftwerk-Vibe von Memento Mori destillieren. Give Yourself to Me hämmert epischer aus der Dunkelheit, so traurig devot und kraftvoll, bevor das pluckernd schwelgende Aushängeschild In the End seine verführerische Catchyness nicht ganz greifbar machen will. Ja, dieses Quartett ist so gut, wie man es sich seit dem Release des Mutterschiffs erhofft hat.
Für das Gesamtpaket gibt es also:

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