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Dirty Projectors – Super João

Dirty Projectors - Super João

Bandkopf Dave Longstreth selbst steht auf Super João, der dritten von insgesamt fünf angekündigen EPs für das Jahr 2020, im Vordergrund – und liefert das so minimalistische wie intime Herzstück der Serie.

Nach Windows Open und Flight Tower ist die Kurzformat-Reihe mit den wechselnden Hauptrollen also im Zentrum des losen Bandgefüges angekommen. Doch will Longstreth dies als Tribut an externen Einflüssen verstanden wissen, als Referenz an Arthur Russell, Chet Baker und vor allem die brasilianische Legende João Gilberto.
Anstelle markanter Bossa Nova-Rhythmen wirken die aufgefahrenen vier Songs über 12 Minuten nun (bis auf kaum wahrnehmbare, minimalistische Nuancen wie subversiv angedeutete Keyboard-Schattierungen) alleine auf Longstreths (Kopf)Stimme und eine Akustikgitarre mit Nylon-Saiten reduziert allerdings eher wie kompositionell sowie melodisch weit ausholende, arrangementtechnisch aber betont simpel gehaltene (nicht puristisch verstanden wollend werdende) Dirty Projectors-Grundgerüste – gefühltermaßen die Demos zu potentiell regulärem Albummaterial. Wer will kann so den Einfluß wahrnehmen, den Gilberto immer schon auf Longstreth hatte – die explizite Verneigung verschiebt das Songwriting allerdings nicht noch weiter.

Das führt im eröffnenden Holy Makerel, das sich entgegen seines Titels und der an sich catchy aufschwingenden Hook, so niedlich und naiv wie entspannt und locker präsentiert, zu einem ruhigen, besonnenen Ohrwurm – typisch Dirty Projectors, nur eben weniger ausgeschmückt.
Danach aber lassen sich I Get Carried Away, You Create Yourself und Moon, If Ever weniger griffig durchaus nostalgischer und verquerer durch die relaxte Melancholie treiben, gezielt mäandernd. Was verdammt angenehm zu hören ist – doch bleibt kaum noch konkretes hängen, wenn Longstregh eher gedankenverloren und beiläufig vor sich herklampft, mit dem nonchalanten Flair und der Atmosphäre bezaubert (nicht wenige werden urteilen: langweilt). Doch wie sagt der Bandleader passenderweise selbst: „Super João is a feeling“ – und genau so funktioniert diese unscheinbare kleine Nettigkeit dann auch hervorragend.

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