Dropkick Murphys – Signed and Sealed in Blood

von am 17. Januar 2013 in Album

Dropkick Murphys – Signed and Sealed in Blood

Die fetten Jahre sind vorbei!” Oder haben sie für die Dropkick Murphys gerade erst begonnen? Auf seinem achten Longplayer zelebriert das Septett über den Großteil der Laufzeit in erster Linie bierselige Gemütlichkeit und hat der Streetpunk-Kante von damals wohl endgültig entsagt.

Signed and Sealed in Blood‚. Wow! Angesichts eines solch testosteronschwangeren Titels fühlte ich mich doch fast verleitet, Hals über Kopf eine Jahresmitgliedschaft im Fitnessstudio zu beantragen und, mit den kernig-keltischen Klängen von Ken Casey und Konsorten im Ohr, zu pumpen, was der Körper hergibt. Denn bei den guten alten Murphys weiß man laut Kritikerstimmen natürlich, was man bekommt, nicht wahr? Als altgedienter Fan kann ich diese Frage mit einem klaren „Jein“ beantworten. Natürlich, Dudelsack und dergleichen sind präsent wie eh und je. Aber die Band macht nun vieles ruhiger, ohne das Quäntchen Bostoner Dreck im Sound und nimmt sich damit bei dem Überfluss an Celtic Punk-Bands ein wichtiges Wiedererkennungsmerkmal.

So verkommt eine derart vielversprechende Ansage wie ‚The Boys are Back‚ im Hinblick auf frühere Opener wie ‚Your Spirits Alive‚ oder ‚Famous for Nothing‚ einfach nur zu saft- und kraftloser Selbstironie. Wo man ehemals den Eindruck hatte, die beiden Sänger Casey und Barr prügelten sich schlichtweg ums Mikro und darum, wer denn nun den Fans zuerst ins Gesicht rotzen darf, herrscht nun eitle Wonne Gangvocal-Sonnenschein. ‚Prisoner’s Song‚ kommt als eine billige Kopie ihrer selbst, ‚Burn‘ als gut gemeinter, doch nur mittelmäßig ausgeführter Flogging Molly-Soundalike daher. Paradoxerweise gibt es gerade mit der Weihnachtsballade ‚The Season‘s Upon Us‚ einen kleinen, weil authentisch rübergebrachten Lichtblick. Irland und Besinnlichkeit hat zwar bei den Pogues schon blendend funktioniert, aber seis drum.

Mit ‚The Battle Rages On‚ besinnen sich die Dropkick Murphys auch wieder mal auf das, was SIE richtig gut können: Schöne, beschwingte Uptempo-Nummern, wo der folkige Teil des Instrumentenensembles einfach zündet und dazu einlädt, eine heiße Sohle aufs Parkett zu legen. ‚My Hero‚ lässt einen im Anschluss sogar guten Gewissens „Punkrock“ ausrufen und mit ‚Out of the Town‚ und diesen typischen American Rock n‘ Roll-Gitarrenriffs kann man bezüglich Stimmungsmache gar nicht daneben liegen.

Aber haben 3-4 gute,  nichtsdestoweniger leidlich inspirierte Songs schon jemals ein gutes Full Length-Album ausgemacht? Scheints, als wäre mit dem Ausstieg des kleinen quirligen Gitarristen Marc Orrell 2008 tatsächlich ein Kreativkopf und der nötige Biss bei den Jungs flöten gegangen. Was offen bleibt, ist die Frage, ob man hier nur der einstigen Form hinterherhechelt oder versucht, neue, dem fortgeschrittenen Alter entsprechende Wege zu beschreiten. Sollte Zweiteres zutreffen, ist ‚Signed and Sealed in Blood‚ wohl sowas wie die bandeigene ‚Rocky Road to Dublin‚. Im Fitnessstudio jedenfalls kann man damit höchstens ein Bier aufmachen und seinem Arsch beim Feister werden zusehen. Oder dezent ausgedrückt, seine Zeit besser investieren.

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