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Elton John – Regimental Sgt. Zippo

Elton John - Regimental Sgt. Zippo

Regimental Sgt. Zippo wäre 1968 als das erste Album von Elton John gedacht gewesen, verschwand dann aber doch in den Archiven und tat seine angedachte Debüt-Rolle an das ein Jahr später erschienene (und aus heutiger Sicht wie ein Übergangswerk wirkende) Empty Sky ab.

Zu einem der Record Store Days 2021 erscheint das zwischen Herbst 1967 und dem darauffolgenden Frühling im Dick James Studios von Central London aufgenommene Regimental Sgt. Zippo nun allerdings. Weitestgehend als unverbrauchte Bereicherung der Diskografie: elf der zwölf hier versammelten Songs können Elton John-Aficionados zwar aus der Jewel Box bekannt sein, das jedoch weitestgehend nur in Demo-Versionen, zumindest das smooth einnehmend shakende, sehr okaye You’ll Be Sorry To See Me Go erfährt hier  zudem sowieso eine exklusive Veröffentlichung – und fügt sich nahtlos (wenngleich nicht auf Augenhöhe mit den vielen Highlights) in den restlichen Reigen ein, der Reginald Kenneth Dwight und seinen kongenialen Partner Bernie Taupin noch unter einem erstaunlich unkaschierten Eindruck der Beatles stehend zeigt.

Alleine die Sgt. Pepper-Verneigung des orgelnd und flötierenden Openers When I Was Tealby Abbey nimmt vorweg, was die offenkundigste Referenz einer stets latent in der Psychedelik verankerten Piano Rock  und Pop ist – was sich so zwischen absoluten Ohrwürmern wie Turn To Me (ein sehnsüchtiger, weicher und balladesker Melancholiker, der auch Bläser einlädt und bereits erkennen lässt, zu welchen Hymnen das Duo fähig sein wird) nahtlos fortsetzt.
And The Clock Goes Around orientiert sich klassisch bis zum harmoniesüchtig-mehrstimmigen Chorus, für dessen Entschleunigung sich Elton John ein bisschen forciert verbiegen muß, während das sowieso relaxte Sitting Doing Nothing herrlich flapsig zu Revolver klimpert. Angel Tree gibt sich mit ausgelassenen Bläsern beschwingt und das kantige Titelstück ist eine fast proggige Revue mit diffuser Seitenlage, die vom der Snare in Haltung gebracht und mit zurückgelehnter Brimborium auf das schillernde Schlachtfeld geschickt wird. Solide Standards im Fahrwasser der Fab Four wie A Dandelion Dies In The Wind sorgen zur Mitte der Platte hin für ein paar weniger essentielle Meter, hinten raus taucht Regimental Sgt. Zippo aber nochmal gehörig an.

Nina hat etwa starke Wah-Wah-Gitarren und orgelt seine agentenhafte Romanze zwischen Lavalampen und Plüschkissen im Robert Plant’schen Croonen ganz fabelhaft dramatisch, Tartan Coloured Lady packt viktorianisch-kammermusikalisch Cembalo, Flöten und Streicher ein, bleibt dabei aber bescheiden und introspektiv nach außen blickend. Das folkige, den wirklich inspirierten Funken missen lassende Hourglass wirkt, als wäre es selbst vor 50 Jahren retro und nostalgisch gewesen, bevor Watching The Planes Go By eine nonchalante schwelgende Opulenz als Kaleidoskop-Parade mit Vintage-Grandezza bietet.
Lange Rede, kurzer Sinn: Nicht jeder Augenblick auf dem stets leicht surreal-verträumten Regimental Sgt. Zippo ist vielleicht per se essentiell, (auch mit ein paar interessanten Hintergrundinfos) sehr wohl aber Teilstück eines eigentlich unverzichtbaren Juwels aus dem Zeittunnel, der Fan-Herzen höher schlagen lässt. Also eigentlich viel zu schade als schnödes Record Store Day Release.

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