Emma Ruth Rundle – These Killing Times

von am 2. Oktober 2026 in Album

Emma Ruth Rundle – These Killing Times

Fünf Jahre nach dem am Piano in sich gehenden Engine of Hell trägt Emma Ruth Rundle den Kampf gegen ihre Dämonen wieder in ihrem angestammten, rockigeren Kontext nach außen. Mehr noch: Breitenwirksamer als auf These Killing Times klang die 42 jährige vielleicht noch nicht.

Nach dem kurzen Zwischenspiel als Soundtrack-Komponistin beginnt Rundle ihr (sofern man EG2: Dowsing Voice im regulären Kanon mitzählt) siebentes Solo-Studioalbum erst einmal direkt dort, wo der geniale Vorgänger von 2021 endete: an den Tasten sitzend, im Minimalismus. Lange dauert es jedoch nicht, bis Powerless diesen aufreibt und im vollen Bandsound mit bratzenden Gitarre aufplatzt, und damit die kontrastrierende Synergie aus der ruhigen, wehmütige Strophe und einem kraftvollen, wuchtiger, fast doomiger Chorus beschwört. Wobei die eigentliche Macht und poetische Erschütterung der Nummer in der mit malerischer Geduld beschwörenden Bridge liegt: „Let me lie here with this hammer in my hand/ One for breaking one for building something better/ …/ Let me walk here with a lantern in my hand/ One for finding one for showing something better“.
Reif und abgeklärt, und mehr denn je wie eine Alanis Morissette klingend, die sich inmitten der beiden mächtigen Spielwiesen von Patrick Walker aus einer Perspektive des 90er Alternative bewegt, ringt Rundle These Killing Times schon auf den ersten Metern seinen ersten Kraftakt und Monolithen ab, zeigt sich dabei aber bei aller kantigen Schroffheit auch erstaunlich zugänglich, eingängig und griffig, ohne zu gefällig zu werden. Einen direkten Hit wie Staying Power hofiert der Kontext zwar nicht, doch die Auftrittsfläche ist Allergenen breiter geworden, der Eklektizismus niederschwelliger.

God’s Picture schaltet danach den Umkehrschub, klampft hauchend still und zupft leise im akustischen Jazz-Flair jenseits von schummrigen Talk Talk, so bedächtig wie möglich bleibend. Und wenn man These Killing Times etwas vorwerfen kann, dann, dass der Fluss der Platte wenigstens in der Eingangsphase nicht ganz rund gelungen ist, dass das Sequencing zumindest ein klein wenig unausgegoren erscheint, und die Platte zumindest flächendeckend nicht derart präzise auf den Punkt finden kann, während das große Ganze kaum mehr als die Summe der einzelnen Teile werden will.
Doch die Teile sind ausnahmslos großartig. Anvil bimmelt sakral mit bedächtig pochenden Drums, jedes Umgreifen auf den Saiten schneidet den Slowcore-Kern, bis der Refrain auf den Verstärker des Alternative Rock tritt. Das mit dezenter Acoustic-Psychedelic in die 90er verweisende Catherine Wheel verneigt sich neben den titelstiftenden Legenden aus Britannien implizit vor der Ästhetik von Jane‘s Addiction, brodelt in seinem Ringen aus Kontrolle und Ausbrüchen, wobei die superben Musiker (neben der fantastischen Jess Gowrie an den Drums und Troy Zeigler am Bass sind das hier auch Gina Gleason und Nick Reinhart an den Electric guitar leads) enorme Spannungen injizieren.
Das ein bisschen göttliche Don’t Delay Heaven ist sanft und weich, zart und zerbrechlich, bekümmert tröstend ruhig und schlichtweg bezaubernd, während das unheilvolle Enough als halluzinogene Lauerstellung mit stoisch schreitenden Drums eine Klimax aufreibt, die mit Patrick Shiroishi am Saxophone und George Clarke als zusätzliches freies Radikal ein Stück weit im Noise eskaliert.

Der Titelsong schwelgt danach schwer, heavier ratternd und mit sludgiger Grandezza auf den Spuren der Kumpels von Thou, lädt neben Bryan Funck auch eine majestätische Erhabenheit, Streicher und ein heulendes Gitarrensolo ein, das so ewig weitergehen könnte. „Fall Human Kind! All Human Kind! I am Full of Human Kindness!“
Danach schließt das finale Oceans of Time als an den Tasten sitzende Ballade mit gesanglicher Unterstützung von Amelia Baker, Lukas Frank und Marissa Nadler den Rahmen wahlweise zwar auch betont antiklimatisch, indem es kurz, düster und dunkel wie ein Epilog im sphärischen Nebel verhallt, aber auch absolut schlüssig, den Bogen zum Beginn schlagend.
Da wirken existentielle Fragen („What will we live for beyond the valley of the shadow of the fear of all men?“) mit melancholischer Abgekämpftheit vielleicht versöhnlich, selbst wenn Rundle ohne Antworten entlässt.

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