Gumshoes – Happy New Year

von am 8. Januar 2026 in Album

Gumshoes – Happy New Year

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel steht ein neues Gumshoes-Album bereit, das hat praktisch Tradition. Dass die Nacht davor jedoch auch ihre Schattenseiten haben kann, darüber erzählt Sam Sparks neun Geschichten auf Happy New Year.

In jeder davon steht ein Mensch im Mittelpunkt, der dem ausgelassenen Party-Rummel zu Silvester in triester Einsamkeit begegnet. Oder wie Storyteller Sparks weiter ausholt: „Happy New Year is a bright and playful take on modern isolation. Each track is a snapshot of one of these poor folks, all oddballs in their own way. Some of them need to regain their wits. Some need to go to an asexual meetup. Some just need better friends that won’t force them into marriage/assassination plots. All of them need other people; and you know what they say about people who need people. Let’s wish them luck. After all, there’s no better night to change your life eh? Happy new year, god help us.

Sicher kann man nun argumentieren, dass der Mann aus Northhampton das zugrunde liegende Konzept gleich zum Einstieg besonders demonstrativ umsetzt, indem der kammermusikalisch geprägte Indierock von Gumshoes in There’s No One Out There und dem noch flotter angelegten The Canary in der Schere aus Form und Inhalt so betont positiv ausgelassen losbimmelt, derweil all die Melancholie der Texte voller Harmonie und Glückseligkeit in DIY-Nonchalance strahlt und funkelt – ein bisschen wie The Wombats in frohlockender Home Recording-Aufbruchstimmung?
Weil dies aber auf eine geradezu penetrante Weise geschieht, indem die manisch nette Musik auf eine aggressive Weise liebenswert ist, wirkt dies im Verbund mit den repetitiven Refrain-Tendenzen auch schnell verdammt übersättigend. Oder wie das tonale Äquivalent zum Album-Artwork?

Gerade jene Nummern, die über drei Minuten dauern, ziehen sich so jedenfalls dezent auslaugend im 40 minütige Verlauf. Dass der amüsanten Platte zudem die wirklich starken Hooks fehlen, macht die Sache nicht zwingender. Stepping on a Baby Bird flirtet beispielsweise absolut gefällig mit nebensächlichem 90er Radio-Poprock, könnte aber gut einen Gregg Alexander-Kniff vertragen, derweil Rapture 2 erst mit seine Hip Hop-affinen Beat überrascht, doch dann zum Flair eines potentiellen Weihnachts-Einkauf-Hintergrundbeschallung umsattelt und abseits der Ästhetik aber kaum etwas hängen lässt.
Vor allem im Mittelteil der Platte bleibt dennoch Verlass auf Gumshoes.

Das tolle Spinsters schippert zurückgenommener schwofend als orientalischer Flirt zum unaufgeregten Die Pig Die, bevor das verträumte Ocean / Island aus dem reduzierten Klangbild (eigentlich treibend,  noch eigentlicher wehmütig) mit Streicher-Arrangements ein weites Panorama aufmacht – wo später auch das opulentere City Lights am Piano torkelt, nachdem Love & Taxes wie ein Geistesverwandter von Since I Left You auf fluffigem Bubblegum-Speed semi-fatalistisch unterhält: „Play along!/ This is the meteor you wish upon!/ Say the line!/ A thousand times yes until the day you die!/ You can’t hide from love/ And besides, where would you go?/ How can you say no?
Eine ähnliche Selbstfindung kündigt Sparks dann auch für den Nachfolger von Happy New Year an: „LP6 will probably be a messy finding-yourself type record about air travel. I am less strict about my deadline this time, but if it’s ready for new year, you know that’s my season.

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