Gylt – In 1,000 Agonies, I Exist
In 1,000 Agonies, I Exist (dessen Songs man zum Teil übrigens bereits kennen kann) ist nach der 2024er Vorstellung I Will Commit a Holy Crime die zweite EP des LA-Quintetts Gylt.
Wie schon auf dem Debüt-Release sind die Vocals von Iphigenia Sniper (Foie Gras) das klare Highlight der (mutmaßlich Game-affinen, tatsächlich aber Get Your Life Together akronymisierenden) Hardcore Punker: ihre wüste, harsch und aggressiv beseelt gebrüllte Energie lässt auch kompositorisch nicht sonderlich spannende Genre-Standards wie das repetitive Inherent Violence oder die mindestens soliden 08/15-Attacken Choked Up und Weak mit einer räudigen Crust-Attitüde und Oldschool-Mentalität über den Szene-Durchschnitt pressen – weswegen In 1,000 Agonies, I Exist subjektiv auch packender fesselt, als es etwaige Ausbrüche von Kollegen (wie Gel oder Spy) tun. (Und damit letztlich sogar ein mildes Aufrunden in der Bewertung verdienen).
Auch die Gitarristen Ian Anda und Mark Anda, Bassist Meriel O’Connell sowie Drummer Thaddeus Pedi setzten in den 10 Minuten dieser 8 Songs Akzente – das polternde Bone Rake verschiebt sein Tempo etwa kurzerhand mal zum Crossover Thrash, Intimidated hat eine herrlich unberechenbare Dynamik und Pentiment rockt breitbeiniger, bevor das dualistische Wrought / Rot die Handbremse eines catchy Motivs löst, heulend freidreht, und später sogar gotische Horror-Tendenzen in den Texturen andeuten darf.
Gerade wegen solcher Momente wird zwar auch deutlich, dass Gylt auch auf In 1,000 Agonies, I Exist immer noch nicht in letzter Konsequenz wissen, wo sie mit ihrem Sound hinwollen, gerade in derart atemlos kompakten Dosen stört das klare Vorhandensein von Luft nach oben auf mehreren Ebenen in der Selbstfindungsphase aber weiterhin kaum.


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