Backengrillen – Backengrillen

von am 31. Januar 2026 in Album

Backengrillen – Backengrillen

Backengrillen spielen als die erste von zwei Post-Refused-Splittergruppen auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum selbstpeoklamierten „Anti-fascist, anti-racist, free form Death Jazz“.

Dennis Lyxzén (vocal and effects), Magnus Flagge (bass) und David Sandström (drums and electronics) haben sich mit Mats Gustafsson (saxophones, flutes and live electronics) zusammengetan und nicht lange gefackelt: „The record was written on a Thursday during their first ever rehearsal, performed live on a Friday and recorded on a Saturday, so what you’re hearing is raw, stupid, gut instinct music played by seasoned purveyors of hardcore punk, metal, free jazz, noise et cetera“ steht im Beipackzettel, wo Backengrillen den konzeptionellen MO ihres Rock-Experiments auch auf den Punkt bringen: „The basic idea is to take a death/doom metal, or noiserock riff and play it until it loses meaning and then break it apart like a ravenous cat would a tiny forest mouse.
Mit dieser Idee legt sich das Quartett in den direkten Windschatten von Ciśnienie, agiert aber mit simpleren, archaischeren Leitmotiven – und keineswegs derart weit draußen oder unbekömmlich, wie es nahezu jede Kritik (zumindest im deutschsparachigen Raum) attestiert.

Sicher, A Hate Inferior erwacht atmosphärisch in einem polternd-stampfenden Stoizismus, der roh scheppernd im schwerfällig quälenden Tempo groovt. Lyxzén schreit harsch im nackten, spitz fauchenden DIY-Live-Sound zu einer krautigen, doomigen Repetition, die das prägende Motiv instinktiv wiederkäut und keine radikalen Umbrüche improvisiert. Selbst ein kurzes Verschnaufen will den ebenso abrassiven wie rabiaten Stoizismus nicht vertreiben. Damit ist das (exemplarisch überlange) Extrem im Wesen der neuen Band aber eigentlich auch bereits vermessen. Und verlangt bereits hier eigentlich nicht die auslaugende Konsequenz der Swans.

In Dör för långsamt flötieren hirnwütige Avantgarde-Bläser erst hyperventilieren um um ihr Leben, als hätte Colin Stetson einen Daughters-Song schnaufend a la Shearling interpretiert – theatralisch torkelnd, mit Klargesang ins Delirium gestikulierend, ist das aber bald dennoch eine Folk-Narretei aus dem Jazz-Limbo, die seltsam catchy einnehmend kaputte Maruja-Vibes mit der kargen Titel-Hook in den Wahnsinn treibt. Ein Ohrwurm? Aber zumindest ein seltsam griffiger Fiebertraum.

Der Titelsong tastet sich sogar noch behutsamer voran und schunkelt zurückgenommen grollend eine Art weihevoll balladeske Gemütlichkeit auswalzend. Das vergleichsweise kompakte und knackige Repeater II klingt sogar wie eine schmissige Noise Conspiracy-Demo voller Fugazi-Liebe (die streng genommen einfach ausfranst und nirgendwohin führt), bevor Socialism or Barbarism demonstriert, dass Sandström doch noch interessante Rhythmen kann – was man durch War Music ja kaum noch für möglich gehalten hat – und klingt, als wären Refused in das psychedelische Kaleidoskop eines Noiserock-Mahlstroms geraten.

Und während es (auch angesichts der getrennten Wege nach dem ersten Split) interessant ist, wo sich drei Viertel der finalen Refused-Besetzung nach dem zweiten Ende der Band auf eine Richtung einigen können (und jenes angekündigte Nachfolge-Projekt, in dem alle Vier weitermachen werden noch aussteht) ist die Momentaufnahme einfach aus – und Backengrillen stellt den Umstand, dass der Platte als Album einfach der übergeordnete Spannungsbogen fehlt, etwas unschmeichelhaft auf ein Podest.
Insofern ist dieses Debüt vor allem als Startrampe und Versuchsobjekt zu verstehen, dessen Früchte eventuell erst der bereits versprochene Nachfolger ernten wird: „Record no 2 is in the making, less stupid, more ugly. Stay tuned and fuck the pigs.

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