Interview: The Forest of Knives

von am 10. Februar 2026 in Featured, Interview

Interview: The Forest of Knives

Am 13.02.2026 erscheint mit The Decomposition EP der Herold des ersten The Forest of Knives-Albums Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat. Und diese elf Minuten können einen zwangsläufig auf dem falschen Fuß erwischen, hebeln sie die Erwartungshaltung mit ebenso komplex verschachtelten wie zugänglich entrückten Avantgarde Tech Death doch erstmal gehörig aus.

Weil unklar ist, wie Aaron D.C. Edge neben seinen unzählige Plattformen (von Hellvetika über Bible Black Tyrant bis zu Lumbar Endeavor) nicht nur Zeit für ein neues (und zudem derart ins Detail gehendes) Projekt findet, sondern er und Brüllwürfel Chad Kapper (Frontierer, Unikneim, A Dark Forest, When Knives Go Skyward, etc.) sich für ihr neues Allstar-Tandem zudem stilistisch auch noch mit aufregendem Hunger aus ihren jeweiligen Hoheitsgebieten – dem Sludge und Doom auf der einen und dem Mathcore auf der anderen Seite – pushen, kann es nicht schaden, sich selbst mit ein paar Rückfragen abzusichern.

Wenn ich das richtig verstehe, arbeitet ihr bei The Forest of Knives ausschließlich als Duo?
Aaron: Ganz genau, als Duo. Ich schreibe und spiele die gesamte Musik, Chad schreibt alle Texte und schreit sie ein. Wir nehmen unsere jeweiligen Parts in unseren eigenen Studios auf – in völlig unterschiedlichen Ländern – und mischen dann jeden Song gemeinsam zusammen.
Es ist ein völlig durchgeknallter, kreativer und nahtloser Prozess, in den ich mich anfangs mit enormer Selbstunsicherheit gestürzt habe. Ich bewundere Chads Arbeit schon seit langer Zeit und hätte mir in niemals in einer Milliarde sturmgepeitschter Wellen vorstellen können, dass er mit mir gemeinsam etwas erschaffen wollen würde.
Wir vertrauen einander. Wir respektieren einander. Es ist die wichtigste Beziehung in meinem Leben außerhalb meiner Ehe und meines familiären Umfelds.

Ihr seid also beide vertraut mit dem Schaffen des jeweils anderen abseits eurer Zusammenarbeit?
Chad: Ich habe Aarons gesamte Arbeit tatsächlich schon sehr lange verfolgt und war besonders mit Lumbar vertraut, als er das erste Album veröffentlichte. Da hat es mich sofort gepackt – wegen seiner Fähigkeit, musikalisch eine derart spezifische und einzigartige Klangsprache zu entwickeln, die ganz klar seine eigene ist … düster, und sie umfasst vollständig das, was ich an Musik liebe, die eher zu klanglicher Kunst wird, weil sie einen das Gehörte visuell sehen lässt.

Bei dieser Gelegenheit: Regret Beyond Death (2018) und Encased in Iron (2020) sind schon einige Zeit her. Ist Bible Black Tyrant in irgendeiner Form noch aktiv?
Aaron: Oh Mann … man weiß ja nie. Ich würde liebend gern noch einmal etwas mit Tyler veröffentlichen! Er ist so ein leuchtendes, kreatives und leidenschaftliches Wesen. Drück die Daumen – ich drücke meine auch.

Wie entstehen eure TFoK-Songs?
Aaron: Meistens habe ich irgendwo einen Riff im Kopf, während ich in London mit dem Fahrrad unterwegs bin, jogge oder auf Fotospaziergang gehe. Dann bleibe ich stehen und spreche eine Audionotiz in mein Handy, um es nicht zu vergessen. Für fremde Menschen neben mir auf einer belebten Straße, im Zug oder im Bus muss es ziemlich seltsam aussehen, wenn ich da Melodien in mein Gerät summe. Zu Hause nehme ich das einfache Riff dann in einer neuen Studiosession auf (ich benutze für alles GarageBand), speichere und schließe die Session wieder. Ich komme darauf zurück, wenn ich weitere Ideen habe oder mir Zeit nehme, all die schrecklichen Nachrichten auszublenden und kreativ zu werden. Jeder Song verändert sich dann, während er wächst – vermutlich nicht anders als bei anderen Musiker:innen und Produzent:innen.
Anders als bei meinem sonstigen Material habe ich allerdings bewusst versucht, mit jedem Forest-Song mehr zu drehen, zu wenden und zu verzerren. Ich verliere mich dabei oft, ohne Fackel, und fange an, damit zurecht zu kommen. Es gibt auch mehr orchestrale Parts, als ich mich normalerweise trauen würde zu schichten. Häufig außerhalb meiner Komfortzone, oft unsicher und außer Kontrolle. Manche Elemente haften wie Seepocken an einer Phrase, bis der gesamte Track fertig ist – dann finden sie ihren Platz und, so hoffe ich, haken sich im Ohr der Hörer:innen fest.

Was könnt ihr über die thematische Ebene bzw. den inhaltlichen Anspruch der Musik sagen? Wie sieht der Arbeitsprozess in Bezug auf Musik und Texte aus?
Chad: Dieses Projekt führt definitiv meine Liebe zu Musik fort, die beim Hören eine visuelle Ebene erzeugt. Aaron besitzt einmal mehr diese einzigartige Fähigkeit, einen eigenen Sound zu erschaffen, den ich in all seinen Projekten sofort wiedererkenne – und das kommt auch bei TFoK voll zur Geltung. Es ist ein höllisches, cineastisches Erlebnis, aber ich finde, Aaron ist noch tiefer in seinen Werkzeugkasten hinabgestiegen und hat ein Gefühl erschaffen, das noch spezieller und unheimlicher ist. Der Mann ist eine musikalische Maschine. Er erzeugt neue Musik so mühelos, wie Wasser aus dem Hahn fließt. Das ist wahnsinnig – und jedes Mal von extrem hoher Qualität.
Was unseren gemeinsamen Arbeitsprozess angeht, ist alles sehr einfach: Er schickt mir die Musik, ich höre sie mir an und lasse sie auf mich wirken. Dann schreibe und nehme ich meine Parts auf und schicke sie ihm zurück, damit er mischen kann. Einfacher geht es kaum, und es ist komplett organisch, wie das Ergebnis am Ende klingt. Wir sprechen ein bisschen darüber, aber im Grunde lassen wir uns gegenseitig freien Raum. Tu, was du fühlst, und erschaffe etwas Frisches und Anderes – aber mit deinem eigenen kreativen Ton und deiner unverwechselbaren Handschrift.

Jetzt, da die ersten beiden Songs aus Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat bekannt sind – könnt ihr andeuten, wohin die Reise mit dem restlichen Album geht? Oder sogar darüber hinaus? Die Nummerierung lässt ja nicht wirklich auf ein einmaliges Projekt schließen – oder irre ich mich da?
Aaron: Die ersten beiden Stücke, Bangor und The Grave… sind echte Beispiele für den Weg, den wir mit dem vollständigen Album dieses Jahres eingeschlagen haben. Es sind viele Genres vertreten, und ebenso werden vergessene Türen geöffnet, die eigentlich verschlossen hätten bleiben sollen. Dieses Projekt ist nicht sicher – und ich freue mich sehr darauf, dass andere sich ebenfalls unsicher fühlen.
Wir schreiben Horrormusik, manchmal ohne die Racheszene, nach der man normalerweise vom Helden eines Films verlangt. Wenn du dich an die alte Metalband Himsa erinnerst (die ich 1998 mit Freunden gegründet habe): Das Songwriting war überall und oft ohne klare Kategorie. Dieses Ethos habe ich beibehalten. Chad und ich liefern etwas Köstliches, Bitteres, Schweres und Sättigendes – ganz ohne Rezept.

Was man so stehenlassen kann: The Forest of Knives klingen vertraut und erschließen sich dennoch Neuland; fordern heraus, aber übersättigen nicht. Oder: The Decomposition EP macht auf überraschende Weise einfach Sinn – und Bock auf Mehr.

Insofern auch noch einmal an dieser Stelle besten Dank an Aaron und Chad für das Interview!

Hier gibt es den Text übrigens im englischen Original.

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