Bible Black Tyrant – Regret Beyond Death

von am 27. März 2018 in Album

Bible Black Tyrant – Regret Beyond Death

Es ergibt durchaus Sinn, dass das ursprünglich als Fortsetzung des Lumbar-Debüts The First and Last Days of Unwelcome (2013) gedachte Material hinter Regret Beyond Death von Mastermind Aaron D.C. Edge unter dem Banner von Bible Black Tyrant letztendlich doch eine eigene Spielwiese spendiert bekommen hat.

Einerseits bleibt Edge damit seiner zumeist gefahrenen Schiene treu, all seine unzähligen Projekte mehr oder minder als Einwegprodukte zu begreifen. Andererseits fühlt sich das eklektizistische Metalamalgam von Regret Beyond Death tatsächlich eher nach einer eigenständigen Identität an, die zwar trotz der fehlenden markanten Präsenz von Lumbar-Kumpel Mike Scheidt natürlich auch eine stilistische Nahverwandschaft zur Multiple Sklerose-Aufarbeitung von Edge erkennen lässt, seinen Charakter jedoch deutlich als Schmelztiegel in der Einzugsschneise zentnerschwerer Sludge-Prägungen definiert.
Gleich der Opener Instead of… klingt etwa, als hätte man Torche in einen lichtleeren Kerker gesperrt, um deren Pop-Tendenzen mit finsteren Gebräu ala Thou auszutreiben und deswegen über nichtsdestotrotz eingängig bleibende Ruinen einen Morast aus Doom, Rock, Psych, Drone und Crust gespieen: Bible Black Tyrant sind technisch agil und strotzen vor finsterer Power, artikulieren einen emotionalen Antrieb in den getriebenen Vocals und haben sich zudem vor allem ein Händchen für zugängliche Melodien behalten, servieren dieses aber mit einer dreckigen Portion Heavyness.

Diese Dualität ist sinnbildlich für das Wesen einer Referenzen verschlingenden und für externe Einflüsse stets offenen Platte, die sich in weiterer Folge im steten dynamischen Wechselspiel rund um ihre Basis – wuchtige Rhythmen, schwere Riffs sowie das um Hooks und religionsfeindliche Texte nicht verlegene Keifen von Edge – befindet und gerade ob ihrer doch auch ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte ein erstaunlich organisch gewachsenes, stimmiges Ganzes ergibt.
Bereits 2015 bekam Edge fertig eingespielte Schlagzeugspuren von Tyler Smith (Eagle Twin) in die Finger und begann auf deren Grundlage Songs zu entwickeln. Auch wegen seiner Krankheit in der Produktion auf Programme wie GarageBand beschränkt, arrangierte Edge in seinem Heimstudio Riffs und Ideen rund um die (bisweilen ebenso neu geordneten) Drum-Muster, begann das Songwriting-Pferd quasi von hinten zu Satteln – bevor die Ergebnisse der Arbeit vorerst ad acta gelegt wurden. Zwar wollte Edge ein Projekt, um sich von seinen Schmerzen und Depressionen abzulenken, weswegen jedoch erst ein zweiter Durchgang mit Lumbar ins Visier genommen wurde. Allerdings erkannten Mike Scheidt und Tad Doyle früh, dass Edge hier ein anderes, eigenes Ungetüm heranzüchtete. Eine Einschätzung, von der Edge letztendlich Greg Anderson überzeugen konnte. So kam im Sommer 2017 David S. Fylstra (KVØID) an Bord, komplettierte das Material mit einer zusätzlichen Schicht an fetten Leadgitarren, Soundscapes und Backingvocals – Bible Black Tyrant waren geboren.

In dieser (praktisch abermals als Allstar-Trio durchgehenden) Konstellation sind unter der Ägide von Edge sieben kräftezehrende Songs zu einer Einheit gewachsen, die das Repertoire aller Beteiligten so imposant fortführt wie es dem Metaljahr 2018 ein frühes Highlight liefert.
Das achtminütige The Irony bäumt sich episch auf, pocht und revoltiert, garstig brennen Bible Black Tyrant offene Wunden mit scheinbar endloser Geduld und glühender Kohle aus, pflügen eine martialisch erbarmungslose Schneise bis zu einem auf der Veranda durchatmenden Ausklang. Auch das monströses Riff von New Verse Inferno heult majestätisch, brutal zermalmend, gibt der enorm vielseitige Gitarrenarbeit aber sich den nötigen Raum, um sich sogar mit Isis‚esken Gesten variabel bratzend im Tumult zu entfalten, bevor das sich selbst zerfleischende Titeltrack-Inferno aus, Presslufthammerbolzen, nervenzerfetzdendem Noise, shoegazenden Feedbackkoppelungen und wabberndem Reverb vor allem innerhalb der Album-Kontextes funktioniert.
Die schleppende Heavyness von Wilderness of Steel and Stone glänzt dann nicht nur aufgrund der verzweifelt aggressiv keifenden (generell herrlich angepisst, aber dennoch griffig bleibenden und immer wieder nonchalant gestikulierenen) Vocals von Edge, sondern erweist sich ganz generell als das Herzstück der Platte, das es sich nicht mit den naheliegendsten Detonationen zu einfach macht: Erst injizieren sich Bible Black Tyrang einen schwarzen Hardcore-Vibe, dann lässt man ein atmosphärisches Earth-Durchatmen am Postrock zu, bevor das Trio den 11 minütigen Sprint hinten raus über den mit ordentlich Härte malträtierenden Umweg Richtung Kollegen wie Pelican, Bison, Wildlights oder die transzendentale Trance von YOB und sogar Grails’schen Wohlklang im Mix zur Hymne für den Pit aufkocht.

Ein Kniff, den auch das finale A Terror to the Adversary nach dem entschleunigten Unwetter The Standard (mit einer fast schon hypnotisch-repetitive Monotonie werden hier Industrial-Sequenzen assimiliert) anwendet: Zuerst schieben Bible Black Tyrant im grandiosen Closer bestialisch und erschaffen hinter dem Druck dennoch eine weitläufige Auftrittsfläche für das beinahe symphonische Cinemascope, erzeugen imaginative Räume von enormer Tiefenwirkung und reflektieren sogar kurz eine Alptraum-Anlehnung an Mastodons Curl of the Burl, bevor die Finsternis mit puristischer Klarheit mit zähflüssigem Kerosin in bester Cursed oder The Hope Conspiracy-Tradition übergossen wird – Liveauftritte stünden hier mit in die Luft gestreckten Fäusten schweißtreibend in Flammen.
Zu diesen wird es freilich nicht kommen – auch wenn Edge (mit seinem Projekt Ramprasand) sporadisch noch/wieder auf der Bühne stehen kann. Ohnedies ist die Zukunft von Bible Black Tyrant (wie bei allen Projekten des rastlosen, immer noch so jugendlich und energiegeladen klingenden 45 Jährigen) fraglich: Eventuell ist auch Regret Beyond Death Debüt und Schwanengesang in Personalunion.
Was schade wäre. Immerhin suggerieren diese 44 Minuten doch auch den Eindruck, dass das Trio den Kern seiner Identität hier noch nicht restlos originär freigelegt hätte und insofern durchaus noch Luft nach oben bestünde, was eine Fortsetzung der kongenialen Zusammenarbeit von Edge, Fylstra und Smith nur umso willkommener machen würde.

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