Martröð – Draumsýnir Eldsins

von am 1. Januar 2026 in Album

Martröð – Draumsýnir Eldsins

Seit fast zehn Jahren war es ruhig um Martröð, doch auf den letzten Metern von 2025 veröffentlicht die US-isländische Achse mit Draumsýnir EldsinsDream Visions of the Fire – noch das kakophonische Black Metal Album, das man sich seit 2016 von ihr erhofft hat.

Womit wohl die wenigsten noch angesichts der langen Funkstille seit Transmutation of Wounds gerechnet hatten. Zumal sich die Besetzung der seinerzeit noch Mitglieder von Blut aus Nord, Leviathan und Misþyrming versammelnden Allstar Band gewandelt hat: Offiziell besteht Martröð nur noch aus dem Duo H.V. Lyngdal und A.P. (alias Alex Pool), doch hat man sich mit Bassist Magnús Halldór Pálsson und einem zu Bestform auflaufenden Jack Blackburn an den Drums namhafte Erfüllungsgehilfen an Bord geholt.
Das rückt den Disso Black Metal von Draumsýnir Eldsins mit seinem ebenso weitschweifenden wie direkten, strukturell eigentlich vergleichsweise konventionell bleibenden Songwriting auch stilistisch aus dem Windschatten von Chaos Moon und Wormlust dorthin, wo Guðveiki sich rar gemacht haben.

Zum Einstieg in die Platte mit dabei ist neben Cellistin Olivia Wilding dann außerdem auch noch The Selfoss Symphonic Choir (ein Gespann, das im Verbund das Ende von Sköpunin mit kammermusikalischer Melodramatik und edler Schieflage auflöst, nachdem der Opener in ein apokalyptisches Hornissennest sticht, den Schwarm in Salven anpeitscht, und dann in die greinende Ambient-Einkehr röchelt). Und hinten raus laben sich Martröð am Input von Sinmara-Percussionist Bjarni Einarsson sowie dem ritualistischen Ambient von NYIÞ: auf einem Orgel-Teppich geht Dauðinn ruhig in sich, zappelt mit frickelnder Rhythmik subversiv, nur um dann umso radikaler auf die Überholspur zu ziehen und letztlich im sphärischen Noise zu ersaufen.
In dieser Klammer besticht das nahtlos ineinander übergehende vierteilige Draumsýnir Eldsins als technisch tollwütiger Malstrom, ausbalanciert und vielseitig. Sauber produziert, kraftvoll und sehnig, erzeugt das Album mit einem bisweilen desorientiert machenden Mix eine psychedelische Aggression.

Dass Martröð die Extreme dabei gerne noch radikaler, avantgardistischer und auch weniger zugänglich forcieren hätten können, ist kein wirklicher Schönheitsfehler, aber der Raum, in dem Luft nach oben bleibt.
So fällt alleine Líkaminn eingangs ein wenig aus dem Rahmen, wenn die Band im seltsam dünnen Sound marschiert, bevor sie sich zur gewohnten Urgewalt steigert und mit dem Highlight Tíminn entlang seiner irren Schlagzeugarbeit hinter einer dystopisch-sakralen Atmosphäre gar an die Bestie Deathspell Omega erinnern, nur um melancholisch in die Transzendenz zu schwelgen – und die lange Wartezeit auf Draumsýnir Eldsins scheinbar mühelos stemmt.

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