Metz – Metz

von am 20. November 2012 in Album

Metz – Metz

Wer denkt, dass dem Noiserock 2012 nichts mehr hinzuzufügen ist, den belehren drei junge Kanadier auf ihrem Debütalbum ungestüm eines besseren. Warum ‚Metz‚ dabei allerorts derart durch die Decken geht, bleibt letztendlich offen – aber auch egal, denn dafür knallen elf Songs in nicht einmal 30 Minuten schlicht zu kompromisslos und wuchtig aus den berstenden Boxen.

Metz sind eine jener Bands, die bereits vor dem ersten Album mit dem Nimbus ausgestattet ins Rennen um die immer wieder einmal gerne ausgerufene Rettung eines Genres gingen, potentielle Markerschütterer und Hoffnungsträger zugleich sein zu können/müssen. Nach bereits euphorischen EP-Anläufen kamen diese Vorschussloorbeeren freilich nicht vollends aus der Luft gegriffen, nun, knapp drei Jahre nach diesen Anfängen weiß man: das kanadische Trio hat sich in der Herangehensweise an den Albumeinstand schlicht die Zeit gelassen, die man nun auf dem Endprodukt zu keiner Sekunde mehr an den Tag legen will. Freilich gibt es da trotz eines ständig im roten Bereich wuselnden Pendelausschlags vielerorts Unkenrufe, dass die Live-Wucht der Band immer noch vorzuziehen, ohnedies unmöglich auf Tonträger zu bannen sei. Gerade in Unkenntnis dieser ist ‚Metz‚ dennoch ein furios reißendes Stück an sich stetig selbst überholenden, energiegeladenen Rock’n’Roll-Abfahrten geworden, dem man eine Steigerung an Rasanz ohnedies nicht zutrauen würde. Dazu ist der Blick auf die Melodien, die da unter dem ganzen Distortion-Irrsinn tatsächlich auch passieren, auf Platte eben auch ein bisschen klarer ausgefallen.

Grundsätzlich sind Metz auch eine solche Band geworden, die geradezu ungeniert die eigenen Vorbilder Preis gibt. Epigonen durch und durch sozusagen, man versteht sich als traditonsverhaftet. Auf Ursprungssuche muss man gar nicht allzu weit in die Vergangenheit schweifen, weil 2012 – von diversen Ty Segall-Rotzlöffeln über The Men– und Cloud Nothings-Großtaten bis hin zu Japandroids-Hymnensammlungen – zahlreiche ausdrücklich artverwandte Platten die Verstärker und Boxen zum bluten brachten. Die vermissten No Age passen zusätzlich in den Rahmen, obwohl auf ‚Metz‚ – bis auf das ambiente Outro ‚–))–‚ und das Luft-holende ‚Nausea‚ – nie auch nur die Idee von kunstvollen Klangexperimenten aufkommt, sondern der Schweiß permanent wie bei den treibendsten Nummern des Duos aus Los Angeles aus den Poren explodieren soll. Auch Future of the Left darf man in den Kanon der Blutsbrüder aufnehmen, weil der Krawall hier immer mit Fratze um sich schlägt, selbst, wenn Metz niemals den hinterlistigen Abwechslungsreichtum von Andy Falkous und Co. zustande bringen, Vertracktheit nie zur Umständlichkeit führen darf und „Variationen“ grundsätzlich nur bedingt zur Diskussion stehen, da man viel zu sehr damit beschäftigt ist, mit aller Penetranz zu rocken, und dies eben tut, ganz gewaltig sogar: Feedback, 90er, Post-Hardcore-, Punk- und Grunge-Liebeleien, energisches Tempo – so in dieser Richtung.

Letzten Endes ist es nur logisch, dass Sub Pop den Zuschlag für Metz bekommen hat. Weil die drei Jungs sicher alles aus der räudigen Frühphase des Labels Zuhause im Plattenschrank stehen haben und überhaupt aus der Zeit gefallen randalieren. Passend dazu sicher jedes fiese Riff von The Jesus Lizard analysiert haben und nun absolut schmissige Eigeninterpretationen davon mit Brandbeschleuniger überschüttet durch die Boxen drücken. Alex Edkins schreit sich dazu die Kehle wund, beschleunigt seine Riffs über das beinahe im Sludge watende Bassgerüst von Chris Slorach und den massiven Rhythmen von Hayden Menzies. Das ergibt in Summe doch erstaunlich viele Ohrwürmer, ‚Wet Blanket‚, ‚Headache‚ und wie sie alle heißen, können und wollen nicht stillsitzen. Wenn der Sound permanent drückt, als stünde ein Bombenabwurf unmittelbar bevor, liegt vor allem ‚Knife In The Water‚ gar nicht so weit daneben. Die Instrumente dröhnen nach getaner Arbeit immer nach, hinten und vorne franst hier beinahe alles in den Lo-Fi aus, dazwischen entsteht eine unbremsbare Dynamik. Man darf Steve Albini in den Credits suchen, wird ihn aber nicht finden. Metz wissen instinktiv selbst, wie man derartige Rock-Attacken unmittelbar und präzise ausführt, punktgenau gezieltes Chaos sozusagen. Und sie machen ihre Sache geschickt: pusten die Gehörgänge durch und setzen sich gleich noch frech dort unnachgiebig fest. In Your Face!

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