Millencolin – True Brew

von am 25. April 2015 in Album

Millencolin – True Brew

Was lange gärt, wird endlich gut! Und wer hat’s erfunden? Nikola! Schwedens kommerziell wohl erfolgreichster Melodic Punk-Export wollte es noch einmal wissen und legt mit seinem neusten Machwerk ganz heimlich die Messlatte in der Kategorie „Überraschung des Jahres“ ungemein hoch.

Egal, ob nun Szenepurist oder Die-Hard-Jünger: Mit Millencolin wurden Mann und Frau in der letzten Zeit nur mehr selten wirklich warm. Vollzog die Band um die Jahrtausendwende in Sachen Musik noch mustergültig den Übergang vom stürmisch-drängendem Skatepunk zu gemäßigteren, aber auch emotional dichteren Rock-Klängen, ergab sich über die letzte Dekade ein nicht von der Hand zu weisendes Formtief. Soll heißen, bei Shows im Allgemeinen und Sänger und Bassist Nikola Sarcevic im Besonderen. Mit schöner Regelmäßigkeit gastierten die vier Freunde auf Festivals hüben wie drüben, versprühten auf der Bühne aber kaum mehr Charisma als eine Stehlampe und zehrten mehr oder weniger vom Glanz vergangener Tage.

So stellte sich in Kennerkreisen mit der Single-Auskopplung Anfang des Jahres  berechtigterweise die Frage, ob die Community von 2015 mit all seinen Reunions überhaupt ein  neues Album der Örebrö-Bros nötig hat. Einstige Weggefährten wie Good Riddance könnens doch auch (und vor allem besser!).  Allen müden Belächlern sei nun vorab schon gesagt: ‚True Brew‚ präsentiert sich, wie auch das Plattencover suggeriert, bärenstark!

Den Anfang macht ein astreiner Hit-Hattrick, bestehend aus ‚Egocentric Man‚, ‚Chameleon‚ und ‚Autopilot Mode‚. Eines der Reinheitsgebote im Punkrock lautet ja schon seit jeher: Du sollst dich rückbesinnen auf deine Wurzeln ab und zu. Hier verkommt dieses Kredo nicht zum Selbstzweck, sondern empfiehlt sich dem Hörer als respektable Fusion jugendlichem Elans mit gehaltvoller Reife. Vieles auf Millencolins siebter Langrille ähnelt dessen, was Bad Religion  in den frühen Neunzigern vom Stapel gelassen haben. Erik, Mathias, Larzon und Nikola behalten sich dennoch ihre ureigenen Trademarks und klingen dabei so taufrisch wie der junge Morgen. Besonders sticht dabei der Titeltrack selbst als Upbeat-Kraftpaket im Sinne der frühen Foo Fighters heraus.

Textlich wird wiederum viel Persönliches und mit ‚Sense & Sensibility‚ auch mal explizit ungewohnt Politisches zum Besten gegeben. Nikola hatte schon immer einen speziellen, leicht zugänglichen Weg des Ausdrucks! So ist ‚Wall of Doubt‚ musikalische Lautmalerei im besten Sinne, kann man doch förmlich die zu überwindende Mauer vor sich aufsteigen sehen. Und auch seine Affinität für Roots und Folk-Music schimmert immer mal wieder im Songwriting durch (‚Mr. Fake Believe‚)

Kurzum: Wenn schon kein absolutes Meisterwerk, so ist ‚True Brew‚ doch eine wirklich süße Schwedenbombe geworden. Vieles, was an „echtem“ Punk-Material auf früheren Alben hätte landen können, haben Millencolin hier in einem einzigen fetten Brocken massiert und mit der nötigen Prise Pop angereichert. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs live ihre alten Fans ähnlich versöhnlich zu stimmen wissen. Auf Platte zumindest kann man sagen: Nothing left to prove.

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