Pete Yorn & Scarlett Johansson – Apart

von am 23. Mai 2018 in EP

Pete Yorn & Scarlett Johansson – Apart

Selbst unter den wohlwollendsten Hardcore-Fans der Anhärschaften von Pete Yorn und Scarlett Johansson werden sich nur die wenigsten aktiv und häufiger an das 2009 erschienene Kollaborations-Album Break Up erinnern. Mit Apart kehren die beiden eine knappe Dekade später dennoch zum damals verarbeiteten Beziehungsdrama zurück.

Thematisch setzen die beiden sogar relativ nahtlos an der sich damals auflösenden Liebesbeziehung von Break Up an: „Apart is dealing with the aftermath“ erklärt Yorn und führt fort: „It acknowledges the array of heavy emotions that come up living separate lives. You’re getting used to the idea of not being with someone who has been a big part of your life. Even after a break up has occurred, the presence of an ex still seems to loom large in one’s mind for a while. There are moments during the day where you wonder, is it really over? Or will there be another chapter in the relationship now that it has evolved? The EP is an attempt to sort through all this and get comfortable with the excitement of new freedoms while facing underlying fears of the unknown road that lies ahead.

Stilistisch entfernen sich Yorn und Johansson jedoch ein wenig vom netten, aber letztendlich vor allem extrem belanglosen Indie-Folk von Break Up und dirigieren Apart mit näher hin zum unverbindlichen, generisch gestrickten Middle of the Road-Synthie-Pop, der die luftige Beschwingtheit seines Album-Vorgängers mit einer Keybaord-galligen Patina ala Killers (in deutlich subtiler), Chromatics (in deutlich unsubtiler) oder Taylor Swift gegen eine Ästhetik tauscht, die im anachronistischen Hochglanz-Vintage durchaus ein wenig den melancholischen Romantik-Noir des Johnny Jewel‚esken, Drive-artigen Artworks widerspiegelt.
Am deutlichsten lässt sich dies übrigens im besten Song der Platte nachhören: Movies ist eine elegisch getragene Ambient-Ballade, die entschleunigt im sinistren Mondlicht der Großstadt badet, nostalgisch schwelgt und gedankenschwer in seinem 80er-Softrock-Flair treibt. Yorn singt aus dem Hall heraus wie eine leise schwindende Erinnerung, Johansson fängt die körperlose Erscheinung im Refrain griffiger auf.

Nicht immer ist da symbiotische Zusammenspiel der beiden derart in Balance. Cigarillo ist bis auf die unorganisch wirkende Drumspur (was ist das generell für ein steriler Studio-Sound?) mit seiner Akustikgitarre näher dran an Break Up, plätschert jedoch mehr noch als alle Vertreter des Album-Vorgängers als absolut nichtssagenden Bagatelle. Vor allem aber darf Johansson endgültig nur noch als ausschmückendes Element und potente Backingstimme auftreten, längst aber nicht als integraler kreativer Konterpart. Angesichts der überschaubaren Reaktionen, die Yorn als Solokünstler mittlerweile hervorruft, verkommt Apart hinten raus deswegen gefühltermaßen auch immer mehr zur marktwirtschaftlich-ökonomischen Überlegung des 43 Jährigen.
Diesbezüglich passt auch der flotte Remix von Tomorrow – im Original von Arranging Time – nur zu gut ins Bild: Ein synthetisch aufgepeppter Tanzflächensong, in dem Johansson paradoxerweise öfter das Spotlight bekommt und ausnahmsweise wieder die Strophe besorgen darf, wärmt Yorns letzte Langspiel-Bagatelle als gesangstechnisch sehr okayes Duett auf, das musikalisch und instrumental aber blutleer als seelenloser Collegepop-Plastik langweilt. Eine unnötige belastende Quasi-Werbeeinschaltung mit massentauglichem Bügelfaktor.

Auch das eröffnende Iguana Bird ist braver (Indie)Rock mit austauschbaren Komponenten – einer fokussiert dahinlaufenden Rhythmusarbeit, plätschernden Gitarre und kaum erkennbaren Syntharrangements – aber dank seines „Lalalala-Love you, ohohohoho“-Reftains zumindest auf flüchtige Weise ziemlich catchy. Yorn klingt dabei, wie es Gary Lightbody bei Snow Patrol offenbar nicht mehr kann, Johansson ergänzt ihn stimmlich immer noch sehr schön: Als Paar harmonieren die beiden im gleichberechtigten Fall nach wie vor toll – als Songwriter bleiben sie auf gefällige Weise harmlos und beliebig, ökonimisch untiefsinnig in dem, was sie tun.
Die Single Bad Dreams tut insofern gut daran, die Bass- und Gitarrenarbeit von R.E.M. zu adaptieren, addiert dazu einen simpel stampfenden Uffta-Beat und eine enorm eingängige Melodie: „Pessimistic as it seems sleep will never come that easy/We will always have bad dreams, we will always have bad dreams“ fährt durch die Nacht als absolut hartnäckiger Ohrwurm mit unbedingter Entwaffnung zum potentiellen Hit, dem man seinen dauerrepetierten Refrain (generell eines der großen Probleme der Platte) nicht übel nehmen kann. Weswegen eine Doppel-A-Seite wohl die elegantere Lösung gewesen wäre, als das über Gebühr gedehnt wirkende EP-Format.
Doch nach gerade einmal 18 Minuten ist der Reigen ähnlich kurzweilig verflogen, wie seinerzeit Break Up. Weswegen Apart wohl zumindest jene begeistern sollte, die auch tatsächlich auf eine gemeinsame Rückkehr des Duos gewartet haben. Allen anderen dürften Bad Dreams mit überschaubarer Halbwertszeit nicht mehr aus dem Kopf bekommen, zum träumend-unspektaklären Movies einen Platz in der Liebhabervorstellung des Kopfkinos reservieren und das solide Apart im Ganzen mit wohlwollendem Schulterzucken zumindest mehr Prägnanz attestieren, als Break Up.

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