Primitive Man & Unearthly Trance – Split

von am 19. August 2018 in EP

Primitive Man & Unearthly Trance – Split

Sowohl Primitive Man als auch Unearthly Trance haben dem Jahr 2017 mit ihren jüngsten Studioalben Caustic sowie (dem an dieser Stelle sträflich übersehenen) Stalking the Ghost ihren pechschwarzen Stempel aufgedrückt. Ideale Voraussetzungen für eine Kollaboration.

Eine Zusammenkunft, die, soviel sei bereits vorab verraten, beinahe ansatzlos die hohen Erwartungshaltungen stemmen kann und natürlich alleine von der Chemie der beiden Bands großartig funktioniert – obwohl Primitive Man und Unearthly Trance sich dem Doom im Grunde ja von einer gegensätzlichen Seite des Spektrums nähern. Wo erstere den ausgebluteten Kadaver des Genres bis in den psychotischen Noise schleifen, interpretieren zweiter ihn vergleichsweise kompakter und direkter, beinahe zugänglich klassisch.
Die eröffnende Intro-Zusammenarbeit Merging zeigt als im ambienten Suspence-Rauschen insofern nur bedingt die stilistische Schnittmenge der beiden Bands auf, etabliert aber durchaus adäquat die atmosphärischen und ästhetischen Standards der nachfolgenden 43 Minuten.

Zudem die ideale Steilvorlage für Primitive Man, die danach in nahtlosen Übergang den ersten ihrer beiden überlangen, monolithischen Songmoloche züchten. Naked kriecht nur langsam aus dem Feedback eines unheilvollen White Noise und spielt den Doom der Band letztendlich mit der ihr typisch dreckigen Finsternis, die mit unerbittlicher Langsamkeit zur Dissonanz kriechend keinen Funken Optimismus oder Zuversicht zulässt. ELM kotzt sich dazu gewohnt garstig growlend durch den massiv-dickflüssigen Morast, während sich die Riffs in Zeitlupe selbst kasteien und die nihilistische Katharsis sich einem immer hartnäckiger skandierenden Finale nähert.
Ein brutal tektonisches Schwergewicht purer Heavyness, das sich höchstens den Vorwurf gefallen lassen muss, im unverkennbaren Signature Sound von Primitive Man nicht gänzlich die selbe Gravitation zu erzeugen, wie der erschlagende Songverbund auf dem schwarzen Loch Caustic es tut – um aber subjektiv doch um das Quäntchen über dem Album-Appendix Steel Casket zu verängstigen.
Das samplegeschmückte Instrumental Love Under Will provoziert dagegen hintennach als verstörende Klanginstallation primär das Kopfkino, zeichnet beklemmend intensive Bilder ohne klar strukturierte Konturen, ist ein klaustrophobischer Score für lichtscheue Höhlensysteme, die dämonische Kulte beherbergen.

Regelrecht sauber dagegen die Hälfte von Unearthly Trance, die vor allem die Fähigkeit der Band unterstreicht, monströs packende Riffkaskaden ohne Ende aus den Ärmeln schütteln zu können.
Mechanism Error kotzt am Mikro zwar Gift und Galle, dahinter wuchtet allerdings eine Sludge-infizierte Brühe, die näher zu den Melvins oder Konsorten wie Cough sowie Electric Wizard schielt und notfalls auch das Gaspedal findet, um zu eskalieren. Insofern beeindruckt auch die nahtlose Geschlossenheit und homogene Verbundenheit der vier Unearthly Trance-Nummern, die fließend ineinander finden und für eine vergleichsweise kurzweilige Unterhaltung sorgen.
Das epochale Triumph macht seinem Titel so etwa mit packender, gleichzeitig erhebender und malmender Gitarrenerbeit alle Ehre, die bis zum Solo findet und sinister gurgelnd heult. Reverse the Day wildert dann gar im stämmigen Noiserock, schrubbt und poltert angepisst gegen den Strich, bevor 418 als feiste Drone-Collage mit ordentlich apokalyptischer Verzerrung als alptraumhaft zersetzendes Soundscape der rohen Split hinten raus auch stilistisch einen schönen, kohärenten Rahmen besorgt.
Das macht den Konsum dieses dystopischen Konglomerats freilich noch weniger zu einem Vergnügen – aber noch klarer zu einer Pflicht für Fans.

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